Logbuch der MS Spring Academy 2017 ToniSpring - 7. April 2017


Gruppenfoto

Logbuch Eintrag Woche 1

13. März-17. März 2017

Wetter: Sonnig, Wind: 5 Frisbeelängen Richtung Mensa
Geschwindigkeit: 3 Kubikknoten
Kuchentyp: Donauwelle
Zugänge: die talentierte Toni, der Mathe-Nichtfreak Michi, das Multitalent Mellie und die ehrgeizige Ekin

Wir befinden uns auf der M(athe) S(erlo) Spring Academy 2017. Die Crew findet sich erstmals zur Jungfernfahrt in der Kajüte ein. „Was erwartest du eigentlich von den kommenden 4 Wochen auf Serlo-See?
Wir versuchen ein Gefühl füreinander zu bekommen, indem wir uns stumm wie Fische nach unserer Schuhgröße und unserem Alter sortieren. Naiv und noch ganz grün hinter den Ohren wagen wir uns in das erste Abenteuer vor: Das Volumen-Geometrie-Meer mit seinen gefährlichen Einheitenklippen und viereckigen Stromschnellen. Anfangs unterschätzen wir die hohe (tiefe und breite) See, doch mit den richtigen Manövern ist es uns möglich ein erstes viereckiges Haus mit Partyhüten in Kegelform auf der Substitutionsinsel zu bauen. Unsere Reise geht vom Apfelbaum bis zu einer Palme.
Zuerst vermuten wir, dass unsere Crew einen mutigen Kapitän hat, doch es stellt sich schnell heraus, dass wir Matrosen alle an einem Strang ziehen und wir selbst unseren Kurs setzen.

Bereits an Bord und somit besonders wichtig für das Gleichgewicht sind die alten Matrosen: Der belastungsfähige, begeisternde und bemerkenswerte Benni (aka Knorrke) und der technikaffine und tatkräftige Tobi, die wegen der Seekrankheit des professionellen Peters eingesprungen sind.
Doch auch andere erfahrene Segler gehen mit uns an Bord: Der singende Sebastian, der kapuzenpullitragende Kulla, die resolute Renate, der brilliante Benni von Hinkebein, der nie-stille Nish, der javascriptende Jonas, die malende Mona, die grüne Greta, die rastlose Ronnit, die sonnige Sandra und noch einige mehr.

Zum Teambuilding weht auf der MS Spring Academy 2017 ein ganz besonderer Wind: Energizer (kurze lustige Spiele), Stand Ups (Lageberichte) und Frisbee (zum Möwen verscheuchen) sind an Deck an der Tagesordnung. Zur Einführung waren außerdem viele interessante Einweisungen der erfahreneren Crewmitglieder nötig.

erstes Gruppenfoto mit Kuchen

Logbuch Eintrag Woche 2

20. März-25. März

Wetter: Sonnig, Wind: stark genug, um Engelchen durch den Hof zu wehen
Kuchentyp: leider kein Mehl in der Kombüse
Zugänge: der Prinzenrollen-essende Philipp
Abgänge: die sonnige Sandra

Die Crew wird in Arbeitsbereiche eingeteilt, damit jeder sein volles Potential entfalten kann: Einige programmieren den Bordcomputer neu während andere versuchen unsere Ware auf Land besser zu verkaufen. Ein Werbevideo wird produziert.
Dabei entsteht eine kleine Meuterei von uns Neuzugängen: Wir haben weniger Lust auf unsere tägliche Arbeit und wollen am liebsten nur noch unser Schiff verbessern. Mit viel Humor und Kompromissbereitschaft findet die gesamte Crew wieder zum friedlichen Alltag zurück.
Zusätzlich legen wir einen neuen Kurs in Richtung Gleichungssystem-Bucht an, um das legendäre Wettrennen zwischen Hase und Schildkröte anzufeuern.
Gleichzeitig müssen wir aber auch ein langsam aufziehendes Erkältungsgewitter bekämpfen. Als zukünftige präventive Maßnahme gegen diese Art von Gewittern richten wir dazu in der Kombüse eine Tee-Ecke ein.

Frisbee

Abends entspannt sich die Crew nach der erfolgreichen Woche mit bestellter Pizza (geliefert via Flaschenpost) und Werwolf-spielen. Auch ein Neuzugang stößt auf die MS Spring Academy 2017:
Prinzenrollen-essende Philipp. Er begeistert das Team vor allem durch seine Informatik-Kenntnisse und Frisbee-Fähigkeiten und lässt den Abschied von der sonnigen Sandra leichter ertragen.

Logbuch Eintrag Woche 3

27. März-31. März

Wetter: viel zu schön zum Arbeiten, Wind: linear gleichbleibend
Kuchentyp: Kinderschokolade Muffins, Zitronen- und Apfelkuchen (endlich sind die Mägen wieder voll!)
Zugänge: der jettende Jonas II
Abgänge: die malende Mona

Die Seekrankheit bringt das Schiff allmählich ins Wanken. Erste Crewmitglieder ziehen sich in ihre Kojen zurück. Doch die MS Spring Academy 2017 fährt weiterhin mit maximaler Knotenzahl, denn auch ausgefallene Serlorianer lassen sich die Arbeit nicht verbieten!

Wir verlassen die Gleichungssystem-Bucht und setzen zunächst Kurs auf unser letztes Abenteuer: Abituraufgaben.

Das strahlende Wetter veranlasst die Crew dazu, sogar einmal früher Schluss zu machen und lecker zu grillen und unsere Frisbee-Runden auf die Trauminsel zu verlegen. Der jettende Jonas II überzeugt vor allem durch sein Talent für abendliche Brettspiele und ist schnell ein fester Bestandteil des Schiffsteams. Die Arbeit darf natürlich trotzdem nicht zu kurz kommen: Immer begleitet von unserer Serlo-Spring-Academy-Playlist, die vor allem den mysteriösen Musikgeschmack vom talentierten Tobi zeigt, arbeiten wir summend an vielen Themen, die für das Schiff und die Landbewohner wichtig sind.

Grillen Bild

Die malende Mona hat gerade die letzten künstlerischen Arbeiten an Deck fertiggestellt und segelt auch davon, um ein wenig sonnige Zeit zu genießen.

Logbuch Eintrag Woche 4

3. April-7. April

Wetter: so unschön wie der Abschied, Wind: ein neuer Wind weht an Deck
Kuchentyp: Nussecken, Schokomuffins, Mona-Kuchen
Zugänge: die sportlichen, stimmungsvollen Schülerpraktikanten, die krisenfeste Kathi
Abgänge: der jettende Jonas II, der brilliante Benni von Hinkebein

Gruppenfoto mit allen an Bord

So langsam wird allen klar, dass die Reise bald vorbei ist. Doch 6 wunderbare Neuankömmlige lassen den Abschied erst nochmal in weite Ferne rücken. Das Deck blüht nochmal voll Leben auf und das Frisbee-Spiel wird gefährlicher und noch größer. Ein zweites Deck wird eröffnet.

Wir erreichen unsere Ziele: das Werbevideo geht online und lockt viele neue Kunden, der Bordcomputer wird um neue Funktionen erweitert und der Kurs „Abitur“ ist fertig und kann verschifft werden.

Langsam wird es eng an Deck und obwohl wir uns alle sehr lieb gewonnen haben, wird klar, dass uns Teammitglieder verlassen müssen, um im kommenden Semester nicht unterzugehen. Der Abschied fällt allen sehr schwer.
Am Horizont erkennt man den letzten Spieleabend in der Ferne und der Vogel, der über unserer MS Spring Academy 2017 kreist, zeigt an, dass Land in Sicht ist.

Der sagenumwobene Simon, ein erfahrener Matrose, der bereits vor 9 Jahren in See gestochen ist, erzählt in schillernden Farben und überzeugenden Worten von der langen Reise des Yolo-Birds auf dem Weg zur Beseitigung der Bildungsungerechtigkeit.

Simon aka Ninja

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Serlo an Bord

Wir sind erfolgreich über das Serlo-Meer gesegelt und freuen uns auf das (hoffentlich) baldige nächste Abenteuer.

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Die Matrosen:
die talentierte Toni, der Mathe-Nichtfreak Michi, das Multitalent Mellie und die ehrgeizige Ekin

Schulpraktikum bei Serlo - Eine Erfahrung fürs Leben ToniSpring - 7. April 2017


Bild

Unsere Praktikumswoche neigt sich dem Ende zu. Die Zeit bei Serlo hat uns allen sehr gefallen und an unserem letzten Tag wollten wir noch einen Eintrag für den Blog schreiben.
Besonders gefallen hat uns die lockere Arbeitsatmosphäre die von den Energizern und der Frisbee Pause geprägt wurden.
Zu unserem Wohlbefinden trug auch das nette Team von Serlo bei, das uns am ersten Tag offen empfangen hat und bei Fragen immer hilfsbereit war. Zunächst wurde uns die Idee sowie die Website und der Editor von Serlo nähergebracht. Uns stand zum größten Teil frei was wir machen durften. Zu unseren Aufgabengebieten gehörten Mathematik, Informatik, Nachhaltigkeit und Politik. In Hinsicht auf Mathematik haben wir zweiAufgaben zum Thema Umrechnen von Längeneinheiten erstellt. Im Informatikbereich wurden von uns ein Artikel über HTML und zwei Aufgaben zu den Bereichen Objektdiagrammen und Klassen und Objekten erstellt. Um die Nachhaltigkeitsseite von Serlo zu erweitern trugen wir mit einer Liste mit Tipps zur Nachhaltigkeit im Alltag und dem Script für ein Lernvideo zum Thema Virtuelles Wasser diesem bei. In einem Gespräch über Politik schilderten wir unser Interessen zu diesem Thema.
Abschließend sei noch zu sagen, dass das Praktikum für alle Schülerpraktikanten interessant und lehrreich war.

Serlo goes international! Vasiliki - 29. November 2016


Das Serlo Global Team ist dafür verantwortlich, die Vision von freier Bildung auch außerhalb von Deutschland zu verwirklichen. Das bedeutet, Lernen in verschiedenen Sprachen für verschiedene Länder und Kulturen dieser Welt möglich zu machen. Das bedeutet auch internationale Projekte zu starten und Teil der globalen Open Educational Resource Szene zu werden. Wir bringen Menschen zusammen, die sich überall auf der Welt für freie Bildung einsetzen möchten und in ihrer Region, ihrem Land oder ihrer Sprache etwas verändern wollen.

Zu unseren Aufgaben gehört es, diese Menschen anzuleiten; sie zu unterstützen und Hilfestellung zu bieten, die Kommunikation übers Ländergrenzen hinweg aufrecht zu erhalten und Qualitätsstandards weiterzugeben, damit das Konzept von Serlo auch international erfolgreich sein kann. Genau so international ist auch unser Team, das in Edinburgh, Cambridge, München und Münster verstreut ist.

Bisher wurden die elementaren Bausteine der Seite ins Englische und Polnische übersetzt. Weitere Übersetzungen entstehen in Spanisch, Türkisch und Japanisch. Zudem gibt es Pläne für Serlo Italia.Für das englische Serlo sollen in zwei sehr interessanten Fächern, nämlich Sex Education (Sexualkunde) und Musik die ersten Inhalte entstehen. Momentan sind wir auch dabei, Alphabetisierung über die App Serlo ABC für die englische Sprache zu ermöglichen und konstruieren dafür zunächst einen Prototyp.

Serlo in Cambridge

Letzte Woche besuchten wir OpenCon in Cambridge. OpenCon ist ein globales Netzwerk zu den Themen Open Access, Open Education und Open Data. In diesem Rahmen wird einmal im Jahr eine große Konferenz veranstaltet, es gibt aber auch viele, kleinere Satellite Events, wovon eines in Cambridge stattgefunden hat. Das Thema in Cambridge war "Building Impact Through Openness” und es gab einige spannende Vorträge und Diskussionen darüber, wie durch die offene Lizenzierung von Wissen und Bildung verschiedene soziale Wirkungen erzielt werden können, aber auch wo die Grenzen liegen und in welchen Bereichen noch Handlungsbedarf besteht. Für Serlo war insbesondere spannend die Diskussion zur These: “Nur weil etwas frei verfügbar ist, ist es noch lange nicht offen - es muss auch verständlich sein.”

Obwohl der Fokus der Convention vor allem auf Wissenschaft und Open Access lag - weniger auf Schulbildung, die wir mit Serlo offen machen wollen - konnten wir eine Menge interessante Eindrücke und Informationen mitnehmen und haben viele inspirierende, engagierte und nette Menschen kennen gelernt. Vielleicht sollte Serlo die nächste OpenCon nach München bringen? ;)

Warum jeder Lehramtsstudent ein Praktikum bei Serlo machen sollte Michi - 8. November 2016


Seit zwei Semestern studiere ich die Fächer Mathematik und Physik auf Lehramt an der LMU in München. Im Rahmen meines Praktikums verbrachte ich die letzten vier Wochen bei Serlo Education. Die gemeinnützige Organisation entwickelt die kostenlose Lernplattform serlo.org, mit der jeden Monat über 500.000 Schüler eigenständig lernen. Geprägt von der lehrreichen Zeit, möchte ich mit diesem Beitrag zeigen, wieso man als angehender Lehrer Serlo kennen sollte.

Serlo Spring Academy Ein paar der Teilnehmer der Serlo Summer Academy. (Ich im weißen Tshirt)

Teamarbeit

Lehrer sind oft Einzelkämpfer und unter Kollegen herrscht eine gediegene Ellenbogenmentalität. Das ist ein Gefühl, das ich aus Schulpraktika in der Vergangenheit mitnehmen konnte. “Die Kooperation beschränkt sich meist auf den Austausch von Materialien”, bestätigt auch diese Studie. Doch das reicht mir persönlich nicht. Denn wie soll ich Kindern und Jugendlichen ein gemeinschaftliches Miteinander lehren, wenn ich selbst anderes lernte?

Serlo zeigte mir, dass es auch anders geht: Ein typischer Praktikumstag begann gemeinsam. Es wurden Tagesziele definiert und anschließend in kleinen Teams abgearbeitet. Zwischendurch gab es kleine Feedbackrunden und die Fortschritte wurden der Gruppe präsentiert. Es ist ein tolles Gefühl, sich nicht nur gegenseitig zu unterstützen, sondern an einem gemeinsamen Ergebnis zu arbeiten - noch dazu, wenn das bedeutet, dass viele tausend Schüler besser lernen können. Das Team hat mich herzlich aufgenommen und mich von Anfang an als vollwertiges Mitglied aufgenommen. Meine Meinung zählte und wurde wertgeschätzt. Zu den täglichen Ritualen gehören auch eine Sporteinheit am Nachmittag und das gemeinsame Mittagessen, bei dem man auch mal die Möglichkeit hatte, über Politik und Aktuelles zu diskutieren.

Arbeitsgruppe Eine Arbeitsgruppe während der Academy

So oder so ähnlich möchte ich auch mit meinen künftigen Kollegen in der Schule zusammenarbeiten. Kooperations- und Teamfähigkeit junger Erwachsener muss trainiert werden und vielleicht wäre Serlo eine Inspirationsquelle für das eine oder andere Seminar an der Uni; der Ort an dem angehende Lehrer, die Kompetenzen für ihren späteren Beruf erlernen. So zu arbeiten, war eine neue Erfahrung für mich und ich werde sicher die ein oder andere Methode in meiner späteren Lehrtätigkeit verwenden können.

Didaktik

Während des Studiums besuchte ich unter anderem Vorlesungen und Übungen zum Themenkomplex “Wissenschaft vom Lehren und Lernen”. Dabei lernt man, dass es viele theoretische Konzepte der Didaktik gibt, die man bei der Unterrichtsplanung beachten sollte. Wie man diese Konzepte konkret im Unterricht umsetzt, wird kaum oder nur knapp erläutert, ist später aber enorm wichtig.

Bei Serlo bestand meine Hauptaufgabe aus der Planung und Erstellung von Unterrichtsmaterialien. Artikel und Kurse auf der Lernplattform haben prinzipiell denselben Aufbau wie eine Unterrichtsstunde. So musste ich mir als Serlo-Autor täglich Fragen stellen, die ich mir später auch als Lehrer stellen muss: Was werden Schüler an der Formulierung nicht verstehen? Wie kann ich Inhalte praxisbezogen darstellen? Wie kann ich Inhalte geschickt visualisieren? Auch übte ich, was es bedeutet, Aufgaben in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zu erstellen.

Serlo Lab School Ein Schüler in der Serlo Lab School

Auf all die erstellten Inhalte erhält man anschließend Feedback: einmal über die Kommentar-Funktion von Schülern, die auf Verständnisprobleme hinweisen, aber auch von anderen Lehrern aus der Autoren-Community. Genau diese Art der Feedback-Kultur würde mich in meinem Studium weiterbringen. Denn das Referendariat ist insbesondere dafür da, Feedback auf erstellte Lernunterlagen zu bekommen - allerdings unter Notendruck.

Digitalisierung

Heutzutage ist der Einsatz von digitalen Medien selbstverständlich und die technische Ausstattung ist meist auf dem neuesten Stand - egal, ob im schulischen oder im universitären Kontext. Stellt sich nur noch die Frage, wie man die Technik auch sinnvoll einsetzten soll. Welche Programme sind benutzerfreundlich? Welche Inhalte sind für Unterrichtsvorbereitung und Materialerstellung frei verfügbar? Die Universität macht hierzu kaum Vorschläge.

Auch in dieser Hinsicht war das Praktikum bei Serlo hilfreich. Beispielsweise lernte ich das Programm Geogebra kennen, mit dem ich dynamische Mathematik-Darstellungen erstellen kann, weshalb ich es auch in meinem späteren Unterricht verwenden möchte. Serlo ist eine Lernplattform, die mit interaktiven Übungen, Lernvideos und vernetzten Themenaufbereitungen große Vorteile gegenüber dem klassischen Schulbuch bietet - und genau das habe ich deutlich gesehen. In Summe habe ich durch das Praktikum ein Gefühl bekommen, wie der Einsatz digitaler Medien im Unterricht konkret funktionieren kann.

Frisbee Pause Am Nachmittag haben wir fast jeden Tag Frisbee gespielt.

Resümee

Am Ende meines Praktikums blicke ich voller Stolz auf die letzten vier Wochen zurück: Ich konnte aktiv einen Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit leisten und zwar mit Hilfe eines fantastischen Teams, das mich immer unterstützt hat. Zudem habe ich viel gelernt und sehe, dass ich einen großen Schritt in meiner Entwicklung als Lehrerpersönlichkeit gemacht habe. Das gibt mir im Hinblick auf meine künftige Lehrertätigkeit mehr Sicherheit und Selbstvertrauen. Deshalb würde ich jedem Lehramtsstudenten empfehlen, ein Praktikum bei Serlo zu machen.

Hybride Geschäftsmodelle und Finanzierungswege für OER peterjaumann - 8. September 2016


Geld verdienen mit freier Bildung

Wenn ich von meiner Arbeit bei Serlo erzähle, bekomme ich häufig folgende drei Statements zu hören:

  1. “Ihr braucht ein Geschäftsmodell!”

  2. “Irgendwann musst ​Du​ auch einmal Geld verdienen.”

  3. “Fundraising ist ja schön und gut aber irgendwann müsst ihr auch einmal ​richtiges​ Geld verdienen.”

Anhand dieser drei Statements möchte ich versuchen eine Grundlage für den Diskurs über Geschäftsmodelle in der Open Education Ressources (OER) Szene zu legen.

“Ihr braucht ein Geschäftsmodell!”

Das Problem an dieser Aussage ist, dass die Intentionen des Statements unklar sind. Es könnte sein, dass ich freundlich auf die Selbstverständlichkeit hingewiesen werde, dass wir eine Geldquelle bzw. Einnahmen brauchen. Allerdings ist ein “Geschäft” sowohl umgangssprachlich als auch in der Betriebswirtschaft und im Rechnungswesen mit der Erwirtschaftung von Gewinnen und mit Umsatzerlösen aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen verbunden. In diesem Fall fordert das Statement mich auf, zu dem ideelen, gemeinnützigen Bereich von Serlo (Einnahmen durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Förderungen), einen zusätzlichen, gewinnorientierten Bereich aufzubauen, welcher im Vereinsrecht offiziell “Geschäftsbetrieb” genannt wird. Insgesamt ist bei der Frage nach Geschäftsmodellen für OER sehr unklar, ob es allgemein darum geht, wie OER finanziert werden können oder ob es explizit darum geht, wie gewinnorientierte Unternehmen im Feld OER entstehen können. Ich möchte also festhalten: Geschäftsmodelle sind eine Teilmenge möglicher Finanzierungsmodelle und nicht synonym zu gebrauchen. Umsatzerlöse (Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb) sind eine Teilmenge aller Einnahmen (auch Einnahmen aus dem ideelen Bereich, z. B. Spenden) und diese sind wiederum eine Teilmenge des gesamten Erlös (beinhaltet z. B. auch Zinserträge).

“Irgendwann musst ​du​ auch einmal Geld verdienen.”

In diesem Fall wird impliziert, dass ein kostenloses, frei lizenziertes und werbefreies Bildungsangebot nur durch Selbstausbeutung erstellt werden kann. Jedoch ist die Finanzierung über einen ideellen Bereich nicht viel anders als der Verkauf im Geschäftsbetrieb über eine Ecke. Ich nenne das “Dreiecksfinanzierung”. In diesem Fall produziert A einen Mehrwert für B, das gefällt C und finanziert dafür A. Ein Beispiel: Anna bekommt Nachhilfe und ihre Mama zahlt dafür den Nachhilfelehrer. Noch ein Beispiel: Greenpeace rettet einen Baum, Anna mag Bäume und spendet an Greenpeace. Oder das Beispiel Serlo: Serlo hilft Schülerinnen und Schülern beim Lernen, dafür geben uns Stiftungen, Eltern oder die EU Kommission Geld. Es ist folglich ein gängiges Modell, dass die Zielgruppe einer Leistung nicht direkt für diese Leistung bezahlt. Auch der Staat funktioniert nach diesem Modell, denn Steuern finanzieren eine größere Idee von Gemeinschaft, Sicherheit, Mobilität, Bildung, etc. und werden nicht individuell pro einzelne staatliche Leistung erhoben, die eine Person erhält. Unter anderem vor dem Hintergrund, dass freier Zugang zu Bildung ein Grundrecht ist und, dass Kinder und Jugendliche wenig Kaufkraft besitzen, werden wir bei OER um eine teilweise “Dreiecksfinanzierung” nicht herumkommen.

“Fundraising ist ja schön und gut - aber irgendwann müsst ihr auch richtiges​ Geld verdienen.”

Das dritte Statement impliziert, dass eine Finanzierung über den ideellen Bereich, etwa durch Spenden und staatliche Förderung, eine schlechtere Finanzierung ist als Erlöse durch den Umsatz eines Geschäftsbetriebs. Aber ist diese Unterscheidung überhaupt wertvoll um die Qualität einer Finanzierung zu beurteilen? Von Dennis Hoenig­-Ohnsorg (Ashoka Deutschland) habe ich gelernt, dass zwei Kriterien entscheidend sind, um das Finanzierungsmodell einer Organisation oder eines Unternehmens zu beurteilen: Stabilität und Unabhängigkeit. Mit Stabilität wird die langfristige Planbarkeit einer Finanzierung beschrieben. Einfluss auf die Planbarkeit hat z. B. die Qualität einer Beziehung zu Kunden bzw. Förderern oder wie stark innovationsgetrieben ein Markt ist. Unabhängigkeit beschreibt den Einflussgrad eines Finanzgebers. Gemessen an diesen Kriterien ist eines der besten Finanzierungsmodelle das ich kenne, das der Wikipedia, deren Betreiberin die Wikimedia Foundation ist. Denn die langfristige Entwicklung der Spendeneinnahmen ist stabiler vorhersagbar als viele Absatzmärkte für Waren oder Dienstleistungen. Des Weiteren kann die Wikimedia­ Bewegung sehr eigenständig darüber entscheiden, wie diese Einnahmen verwendet werden. Auch das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Serlo und einer Förderstiftung oder zwischen Greenpeace und einem Fördermitglied schneidet nach diesem Kriterien sehr gut ab.

Hybride Geschäftsmodelle

Grundsätzlich können folglich sowohl eine rein ideelle Finanzierung als auch reine Geschäftsbetriebe erfolgreich sein. Besonders für OER finde ich jedoch „hybride Finanzierungsmodelle“ interessant. Am Beispiel Serlo: Die freie Lernplattform Serlo ist komplett kostenlos und gemeinnützig getragen. Die Softwareentwicklung wird jedoch weitesgehend von der gewinnorientierten Softwareagentur Ory GmbH geleistet. Diese Leistung bekommt Serlo sehr günstig und teilweise pro­bono. Damit hat Serlo seinen größten Kostenfaktor stark reduziert. Ory profitiert von der Zusammenarbeit durch Serlo als spannendes Referenzprodukt, und Ory ist für Arbeitnehmer besonders attraktiv durch die soziale Wirkung von und für Serlo so wie durch die besondere Organisationskultur im gemeinsamen Büro mit Serlo. Wichtig bei diesem Modell ist, dass die Aufgabenbereiche klar aufgeteilt sind. Negativbeispiel: Bei einem Freemium­-Modell, zum Beispiel einer kostenlosen OER­-Plattform mit zahlungspflichtigen Zusatzfunktionen, stünden das Wirkungsinteresse (Bildung soll allen frei zugänglich sein, unabhängig von sozioökonomischen Umständen) in einem ständigen Aushandlungsprozess mit den Gewinninteressen (um Umsatz zu generieren muss ein entscheidender Mehrwert für die Zielgruppe hinter der Paywall liegen). Um diesen Konflikt zu vermeiden, hilft es bei der Planung eines zusätzlichen Geschäftsbetriebs die richtige Frage zu stellen, nämlich nicht “Welchen Teil meines Angebots kann ich verkaufen?”, sondern “Welche meiner Kompetenzen kann ich verkaufen?”. Im Idealfall wird so eine neue Zielgruppe angesprochen und die beiden Bereiche sind jeweils an dem Erfolg des Anderen interessiert.

Auf die Wirkung kommt es an!

Ich bin der Meinung, dass für die Finanzierung von OER keine zusätzlichen Ideen und Instrumente gebraucht werden, sondern auf bewährte Modelle zurückgegriffen werden kann. Entscheidend ist immer, einen tatsächlichen Mehrwert für Mensch und Gesellschaft zu leisten. Wenn das wirklich gelingt, wird es immer Personen und Institutionen geben, die bereit sind dafür zu zahlen. Aus dem gleichen Grund müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Google, wenn sie Finanzierung für eine Innovation beantragen zwar einen Bedarf, aber kein Geschäftsmodell nachweisen. Dieser Grundsatz gilt für ideelle Betriebe auf der Suche nach Spenden genauso wie für Startups auf der Suche nach Investoren. Deshalb ist die wichtigste Frage der OER-­Szene meiner Meinung nach mitnichten die nach Finanzierungsmodellen, sondern die Frage nach dem Mehrwert für die Zielgruppe und ob OER ihre Wirkungsversprechen auf gesellschaftlicher Ebene tatsächlich einlösen.

Geschrieben von Simon Köhl für Mapping OER.