Serlo fusioniert mit Mathe für Nicht-Freaks Julia_Re - 2. Februar 2016


MfNF Logo

Es gibt gute Neuigkeiten: Wir haben uns mit Mathe für Nicht-Freaks (MfNF) zusammengeschlossen! MfNF ist eine von ehrenamtlichen AutorInnen erstellte, freie und digitale Lehrbuchreihe auf Wikibooks, einer Schwesterplattform der Wikipedia. Der Unterschied zu Serlo besteht vor allem in der Zielgruppe: Während sich Serlo an SchülerInnen der Sekundarstufe richtet, bietet MfNF einfach verständliche Mathematik-Erklärungen für StudienanfängerInnen an. Dabei brechen sie das klassische Definition-Satz-Beweis Schema auf und nehmen sich mehr Raum für ausführliche Erklärungen, kluge Metaphern und durchdachte Didaktik.

Mathe für Nicht-Freaks hat mit 900.000 Seitenaufrufen pro Jahr bereits eine breite NutzerInnenbasis an den Universitäten und viele Fans, wie es z.B. an dem Kommentar

“Ich bedanke mich herzlichst für diese Reihe. Studienmäßig ist mein A** gerettet”

unschwer zu erkennen ist. Im Mai vergangenen Jahres hat die erfolgreiche Initiative sogar den Wettbewerb „Die Hochschule, die Zukunft und Du!“ des deutschen Stifterverbandes gewonnen. Seit diesem Jahr sind Mathe für Nicht-Freaks und Serlo nun unter dem gemeinsamen institutionellen Dach der “Gesellschaft für freie Bildung e. V.” vereint und können vieles gemeinsam nutzen und gestalten, was zuvor doppelte Arbeit gekostet hat: interne Veranstaltungen, Kommunikationstools, Marketing, Vereinsverwaltung, Buchhaltung, Fundraising, Personalverwaltung und mehr. Wir von Serlo freuen uns deshalb sehr das Team von Mathe für Nicht-Freaks bei uns im Boot zu haben und über das zusätzliche didaktische Talent, das wir nun an unserer Seite haben.

Macht mit!

Ehrenamtliche Verfasser neuer Artikel werden bei MfNF mit offenen Armen empfangen. Ein Engagement als neuer Autor lohnt sich besonders deshalb, da ein erfahrenes Team diesen betreut und Feedback zu den erstellten Inhalten gibt. Damit kann der Neuzugang seine didaktischen Fähigkeiten laufend verbessern und sich auf eine intensivere Art und Weise mit dem jeweiligen Mathematik-Thema auseinandersetzen.

Für das Jahr 2016 hat sich MfNF auch schon einiges vorgenommen, denn sie wollen

"[...] bis Wintersemester 2017/18 in den Augen der Studenten die beste Lehrbuchreihe für das erste Semester zu werden (für die Fächer Analysis 1 und Lineare Algebra 1).”

Seid mit dabei! Schreibt dazu einfach eine E-Mail an fragen@kulla.me

Qualitätsinitiative auf Serlo Simon - 23. Januar 2016


Auf unserer Klausurtagung im vergangenen Dezember haben wir beschlossen uns 2016 im Rahmen einer "Qualitätsinitiative" voll auf das Fach Mathematik zu konzentrieren. Mit Mathematik eine begeisternde und anerkannte Lernhilfe zu bieten, ist für uns die entscheidende Voraussetzung für die Erweiterung von Serlo um weitere Fächer und Sprachen. Die exzellenten Mathematikinhalte sollen als Maßstab für die AutorInnen dienen und unsere Kommunikation nach außen verbessern.

In den letzten Monaten haben wir für diese Qualitätsinitiative 17 Kriterien definiert, wie wir uns Qualität vorstellen und welche Lernerfahrung wir unseren NutzerInnen bieten wollen. Diese Kriterien zumindest in Teilbereichen von Serlo zu erfüllen, ist unser Ziel für 2016.

17 Kriterien für exzellente Inhalte

  • Einfache Sprache und Grammatik
  • Kleinteiligkeit
  • Verweis auf relevantes Grundwissen
  • Multimedialität
  • Didaktische Fundierung
  • Kompetenzorientierung
  • Konsequente Veranschaulichung theoretischer Inhalte durch Grafiken und Appletts
  • Beispielaufgaben bei jeder Erklärung
  • Interessante und praxisrelevante Beispiele und Aufgaben
  • Ausführliche Musterlösungen und Feedback zu populären Fehlern
  • Interaktion mit den NutzerInnen beim Lösen von Aufgaben
  • Interdisziplinarität
  • Lernstandserhebung und -anzeige für die NutzerInnen
  • Möglichkeit zur Personalisierung von Teilen des Lernangebots
  • Einsatz von Lernspielen
  • Kombination mit offline-Komponenten (Blended Learning)
  • Möglichkeit zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung der NutzerInnen

Redaktionssitzung

Redaktionssitzung

Umsetzung

In aller Kürze umfasst die Umsetzung 1) redaktionelle Arbeit, 2) Weiterentwicklung der Qualitätsrichtlinien und der Qualitätssicherungsprozesse 3) Aufbau der AutorInnen-Community 4) Entwicklung und Implementierung interaktiver Aufgabenformate und 5) Entwicklung und Implementierung von Lernstandserhebung und -anzeige für die NutzerInnen.

Die Redaktion von Serlo tagt an vier Terminen pro Woche und auch die zwei Serlo Academies werden dieses Jahr voll auf die Qualitätsinitiative ausgerichtet.

Ergebnisse

Die sichtbaren Ergebnisse der Qualitätsinitiative sind

Auf diesen Seiten gibt es schon einiges zu sehen und es wird noch mehr kommen im Laufe des Jahres.

Hilf mit!

Wir freuen uns immer sehr über Unterstützung in der Redaktion, bei der Softwareentwicklung und beim Netzwerkaufbau - z.B. als TeilnehmerIn auf unserer Spring academy 2016. Näheres findest du unter serlo.org/mitmachen.

Redaktionssitzung

Serlo CTO Aeneas unterstützt die Mathe-Redaktion

Serlo Klausurtagung vom 18. - 20. Dezember 2015 Julia_Re - 29. Dezember 2015


Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu und das in letzter Zeit stark gewachsene Serlo Team versammelte sich im ländlichen Bruck bei Ebersberg. Es ist der ideale Ort um durchzuatmen, über das vergangene Jahr zu reflektieren und neue Ideen für die Zukunft zu sammeln. In gemütlicher Atmosphäre wurde am Freitagabend erst einmal das anstehende Wochenende mit der Präsentation des Zeitplans, der „Miteinander-Prinzipien“ und anschließendem Glühwein eingestimmt. Der Abend diente insbesondere den Neuzugängen dazu, alle persönlich kennenzulernen und sich über die jeweiligen Aufgaben bei Serlo auszutauschen.

Serlo Team

Am Samstag starteten wir um 9:15 Uhr mit dem ersten Tagesordnungspunkt “Rückblick 2015”. Dabei stellten alle Teams die 5 wichtigsten Erfolge des Jahres 2015 in je 5 Minuten vor.

Um später die Ziele für das Jahr 2016 definieren zu können, folgte um 11:30 Uhr eine kurze Präsentation der Wirkungsorientierung bei Serlo von Gründer Simon. Wirkungsorientierung bestimmt die Zielausrichtung einer Organisation, statt Profit zu erwirtschaften, gesellschaftliche Veränderung hervorzurufen. Während auf der Metaebene das langfristige Ziel der gesellschaftlichen Wirkung steht, sind unsere Ressourcen, Aktivitäten und Ergebnisse zunächst ausschlaggebend, um eine Wirkung bei der Zielgruppe zu erreichen. Zum Beispiel führt die technische Optimierung der Kommentarfunktion zu einer vereinfachten Nutzung und somit erhöhten Beteiligung der Serlo Community.

Das langfristige Ziel ist dabei eine Wikipedia für´s Lernen zu bauen, sodass Bildung von allen mitgestaltet werden kann. Damit die alltägliche Arbeit zu den langfristigen Wirkungzielen beiträgt, nehmen wir uns viel Zeit dafür, die Zielgruppe zu verstehen und zu überprüfen, welche mittelfristigen Veränderungen wir für die konkrete Zielgruppe erreichen müssen und können.

Gute Ziele

Diskussion

Auf welche Aktivitäten müssen wir uns fokussieren, um die intendierte Wirkung bei der Zielgruppe zu erreichen?

Um diese Frage zu beantworten, wurde zunächst gute Ziele definiert. Diese sollten: Nicht zu konkret sein, nicht zu allgemein sein, konkrete Aktivitäten nicht vorausnehmen (nicht auf genau eine Aktivität hinauslaufen) und zielführend für die Auswahl an konkreten Aktivitäten sein (ggf. Aktivitäten ausschließen).

Jetzt waren alle aufgefordert sich gedanklich in das Jahr 2016 zu versetzen und sich gute Ziele für Serlo zu überlegen. Alle Vorschläge wurden zunächst in der großen Runde gesammelt. Im Anschluss an diese intensive Denkrunde konnten wir beim Mittagessen und einem Spaziergang Energie für die zweite Tageshälfte tanken.

Die Ideensammlung wurde daraufhin gruppiert, um die Ziele in einer Gruppendiskussion auf 5 Kernziele für das Jahr 2016 zu reduzieren. Diese Ziele dienen als Wegweiser für die Auswahl an Aktivitäten für das kommende Jahr innerhalb jedes Teams. Bei der regen Diskussion konnten die wichtigsten Argumente für und wider eines Ziels dargelegt werden, um alle Teammitglieder von den finalen 5 Zielen zu überzeugen.

Teamübergreifende Serlo Ziele 2016

  • Die beste Mathematik-Lernplattform werden %%\rightarrow%% Serlo soll die beste deutsche Mathematik-Lernplattform werden.

  • Mit den NutzerInnen interagieren %%\rightarrow%% Im Online- und Offline-Austausch mit den NutzerInnen entstehen interaktive und begeisternde Lernerfahrungen.

  • Das Team vergrößern %%\rightarrow%% Wir werben neue haupt- und ehrenamtliche Teammitglieder an und binden sie ein.

  • Integration fördern %%\rightarrow%% Wir fördern die Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland.

  • EN-Serlo beispielhaft gestalten %%\rightarrow%% Das englische Serlo hat sehr gute Beispielinhate und eine sehr gute Kommunikation.

Von diesen 5 Kernzielen wurden daraufhin konkrete Aktivitäten für das jeweilige Team abgestimmt, um ein möglichst praxisnahes Ergebnis im Rahmen der Klausurtagung zu erreichen. Der lebendige und umfangreiche Tag klang schließlich mit einem gemeinsamen Abendessen und Musik vom hauseigenem DJ aus.

Am Sonntag hatte jeder Teilnehmer dann die freie Wahl. Zum einen konnte man der Präsentation von Helena beiwohnen, die sich im Rahmen ihres Ethnologie-Studiums mit der Motivation der Engagierten bei Serlo auseinandersetzte. Zum anderen bestand die Möglichkeit eines weiteren inhaltlichen Austausches zur Verbesserung und Vernetzung von Inhalten auf Serlo.

Vor Abreise in Richtung München, nutzten manche die angrenzenden Pferdehöfe zum Ausritt bei malerischem Alpenpanorama. An dieser Stelle darf die bedingungslose Hingabe bei der Essenszubereitung unseres Buchhalters und Hobbykochs nicht unerwähnt bleiben, der das ganze Wochenende nebenbei auch noch zu einem kulinarischen Hochgenuss machte.

Wir freuen uns jetzt schon darauf, die neuen Ziele gemeinsam mit und für euch zu verwirklichen!

In diesem Sinne wünschen wir allen ein frohes neues Jahr 2016.

Euer Serlo-Team

Gruppendiskussion

Pferderitt

Team Shot

Hybride Geschäftsmodelle und Finanzierungswege für OER Julia_Re - 28. Dezember 2015


Porträt Simon

Simon Köhl verfasste diesen Artikel im Auftrag von Wikimedia und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung auf der Mapping OER Webseite

Um die Möglichkeiten zur Finanzierung von frei lizenzierten Bildungsmaterialien (Open Educational Resources ­ OER) bedarf einer differenzierten Sprache über Finanzierungsmodelle und einer klaren Zielsetzung der Finanzierung. Dazu kann die OER-Szene viel aus dem Sektor des sozialen Unternehmertums lernen.

Wenn ich von meiner Arbeit bei Serlo erzähle, bekomme ich häufig folgende drei Statements zu hören. 1) , 2) und 3) Anhand dieser drei Statements möchte ich versuchen eine sprachliche Grundlage für den Diskurs über “OER Geschäftsmodelle” zu legen.

Ihr braucht ein Geschäftsmodell! (1)

Das Problem an dieser Aussage ist, dass die Intentionen des Statements unklar ist. Es könnte sein, dass ich freundlich auf die Selbstverständlichkeit hingewiesen werde, dass wir eine Geldquelle bzw. Einnahmen brauchen. Allerdings ist ein “Geschäft” sowohl umgangssprachlich als auch in der Betriebswirtschaft und im Rechnungswesen mit der Erwirtschaftung von Gewinnen und mit Umsatzerlösen aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen verbunden. In diesem Fall fordert das Statement mich auf, zu dem ideelen, gemeinnützigen Bereich von Serlo (Einnahmen durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Förderungen), einen zusätzlichen, gewinnorientierten Bereich aufzubauen, welcher im Vereinsrecht offiziell “Geschäftsbetrieb” gennant wird. Insgesamt ist bei der Frage nach Geschäftsmodellen für OER sehr unklar, ob es allgemein darum geht, wie OER finanziert werden können oder ob es explizit darum geht, wie gewinnorientierte Unternehmen im Feld OER entstehen können. Ich möchte also festhalten: Geschäftsmodelle sind eine Teilmenge möglicher Finanzierungsmodelle und nicht synonym zu gebrauchen. Umsatzerlöse (Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb) sind eine Teilmenge aller Einnahmen (auch Einnahmen aus dem ideelen Bereich, z. B. Spenden) und diese sind wiederum eine Teilmenge des gesamten Erlös (beinhaltet z. B. auch Zinserträge).

Irgendwann musst du auch einmal Geld verdienen. (2)

In diesem Fall wird impliziert, dass ein kostenloses, frei lizenziertes und werbefreies Bildungsangebot nur durch Selbstausbeutung erstellt werden kann. Jedoch ist die Finanzierung über einen ideellen Bereich nicht viel anders als der Verkauf im Geschäftsbetrieb über eine Ecke. Ich nenne das “Dreiecksfinanzierung”. In diesem Fall produziert A einen Mehrwert für B, das gefällt C und finanziert dafür A. Ein Beispiel: Anna bekommt Nachhilfe und ihre Mama zahlt dafür den Nachhilfelehrer. Noch ein Beispiel: Greenpeace rettet einen Baum, Anna mag Bäume und spendet an Greenpeace. Oder das Beispiel Serlo: Serlo hilft Schülerinnen und Schülern beim Lernen, dafür geben uns Stiftungen, Eltern oder die EU Kommission Geld. Es ist folglich ein gängiges Modell, dass die Zielgruppe einer Leistung nicht direkt für diese Leistung bezahlt. Auch der Staat funktioniert nach diesem Modell, denn Steuern finanzieren eine größere Idee von Gemeinschaft, Sicherheit, Mobilität, Bildung, etc. und werden nicht individuell pro einzelne staatliche Leistung erhoben, die eine Person erhält. Unter anderem vor dem Hintergrund, dass freier Zugang zu Bildung ein Grundrecht ist und, dass Kinder und Jugendliche wenig Kaufkraft besitzen, werden wir bei OER um eine teilweise “Dreiecksfinanzierung” nicht herumkommen.

Fundraising ist ja schön und gut aber irgendwann müsst ihr auch einmal richtiges Geld verdienen. (3)

Das dritte Statement impliziert, dass eine Finanzierung über den ideellen Bereich, etwa durch Spenden und staatliche Förderung, eine schlechtere Finanzierung ist als Erlöse durch den Umsatz eines Geschäftsbetriebs. Aber ist diese Unterscheidung überhaupt wertvoll um die Qualität einer Finanzierung zu beurteilen? Von Dennis Hoenig­-Ohnsorg (Ashoka Deutschland) habe ich gelernt, dass zwei Kriterien entscheidend sind, um das Finanzierungsmodell einer Organisation oder eines Unternehmens zu beurteilen: Stabilität und Unabhängigkeit. Mit Stabilität wird die langfristige Planbarkeit einer Finanzierung beschrieben. Einfluss auf die Planbarkeit hat z. B. die Qualität einer Beziehung zu Kunden bzw. Förderern oder wie stark innovationsgetrieben ein Markt ist. Unabhängigkeit beschreibt den Einflussgrad eines Finanzgebers. Gemessen an diesen Kriterien ist eines der besten Finanzierungsmodelle das ich kenne, das der Wikipedia, deren Betreiberin die Wikimedia Foundation ist. Denn die langfristige Entwicklung der Spendeneinnahmen ist stabiler vorhersagbar als viele Absatzmärkte für Waren oder Dienstleistungen. Des Weiteren kann die Wikimedia­ Bewegung sehr eigenständig darüber entscheiden, wie diese Einnahmen verwendet werden. Auch das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Serlo und einer Förderstiftung oder zwischen Greenpeace und einem Fördermitglied schneidet nach diesem Kriterien sehr gut ab.

Hybride Geschäftsmodelle

Grundsätzlich können folglich sowohl eine rein ideelle Finanzierung als auch reine Geschäftsbetriebe erfolgreich sein. Besonders für OER finde ich jedoch „hybride Finanzierungsmodelle“ interessant. Am Beispiel Serlo: Die freie Lernplattform Serlo ist komplett kostenlos und gemeinnützig getragen. Die Softwareentwicklung wird jedoch weitesgehend von der gewinnorientierten Softwareagentur Ory GmbH geleistet. Diese Leistung bekommt Serlo sehr günstig und teilweise pro­bono. Damit hat Serlo seinen größten Kostenfaktor stark reduziert. Ory profitiert von der Zusammenarbeit durch Serlo als spannendes Referenzprodukt, und Ory ist für Arbeitnehmer besonders attraktiv durch die soziale Wirkung von und für Serlo so wie durch die besondere Organisationskultur im gemeinsamen Büro mit Serlo. Wichtig bei diesem Modell ist, dass die Aufgabenbereiche klar aufgeteilt sind. Negativbeispiel: Bei einem Freemium­-Modell, z. B. einer kostenlosen OER­-Plattform mit zahlungspflichtigen Zusatzfunktionen, stünden das Wirkungsinteresse (Bildung soll allen frei zugänglich sein, unabhängig von sozioökonomischen Umständen) in einem ständigen Aushandlungsprozess mit den Gewinninteressen (um Umsatz zu generieren muss ein entscheidender Mehrwert für die Zielgruppe hinter der Paywall liegen). Um diesen Konflikt zu vermeiden, hilft es bei der Planung eines zusätzlichen Geschäftsbetriebs die richtige Frage zu stellen, nämlich nicht “Welchen Teil meines Angebots kann ich verkaufen?”, sondern “Welche meiner Kompetenzen kann ich verkaufen?”. Im Idealfall wird so eine neue Zielgruppe angesprochen und die beiden Bereiche sind jeweils an dem Erfolg des Anderen interessiert.

Auf die Wirkung kommt es an!

Ich bin der Meinung, dass für die Finanzierung von OER keine zusätzlichen Ideen und Instrumente gebraucht werden, sondern auf bewährte Modelle zurückgegriffen werden kann. Entscheidend ist immer, einen tatsächlichen Mehrwert für Mensch und Gesellschaft zu leisten. Wenn das wirklich gelingt, wird es immer Personen und Institutionen geben, die bereit sind dafür zu zahlen. Aus dem gleichen Grund müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Google, wenn sie Finanzierung für eine Innovation beantragen zwar einen Bedarf, aber kein Geschäftsmodell nachweisen. Dieser Grundsatz gilt für ideelle Betriebe auf der Suche nach Spenden genauso wie für Startups auf der Suche nach Investoren. Deshalb ist die wichtigste Frage der OER-­Szene meiner Meinung nach mitnichten die nach Finanzierungsmodellen, sondern die Frage nach dem Mehrwert für die Zielgruppe und ob OER ihre Wirkungsversprechen auf gesellschaftlicher Ebene tatsächlich einlösen.

BMBF Logo

Interview mit Serlo Gründer Simon Köhl Julia_Re - 20. November 2015


Serlo-Gründer Simon war im November diesen Jahres zu Gast in Hamburg bei der Agentur für Bildung Jöran & Konsorten (J&K). Diese beschäftigten sich in Projekten mit dem Schnittpunkt zwischen Bildung und der digitalen Welt und befragten Simon auf Englisch zu der Belastung der heutigen Schülergeneration und zu den Plänen von Serlo, demokratisch organisierte Bildung auf globaler Ebene zur Verfügung zu stellen.

Wir freuen uns über Euer Feedback zu dem 8-minütigen Video via Youtube-Kommentarfunktion, danke!