Serlo OER-Freiheitsskala Simon - 27. Januar 2015


Vorwort: In den vergangenen drei Jahren habe ich mich intensiv mit dem Thema OER (Open Educational Resources) beschäftigt, darunter: Planung und Durchführung von OER-Fortbildungen, Mitgliedschaft im Programmplanungsteam der OER-Konferenz 2014, Mitgliedschaft im "Bündnis freie Bildung" und Geschäftsfürung des OER-Projekts Serlo. Ich gewann den Eindruck, dass der kostenlose Zugang zu Lernmaterialien und deren freie Lizenzierung allein meist nicht ausreichen, um die mit OER verbundenen Hoffnungen und Ansprüche, wie etwa ein Beitrag zu mehr Bidungsgerechtigkeit oder mehr Partizipation der Lehrer und Schüler, zu erfüllen. Mit dieser Skala möchte ich aufzeigen, dass OER nicht gleich OER ist und mein Wissen und meine Einschätzung weitergeben, was OER zu "wirklich" freien Lehr- und Lernmaterialien macht. Dabei berücksichtige ich technische Merkmale, die Lizenzierung, die Anwendung von OER und die Motivation des Anbieters. (Simon Köhl, 28.01.15)

Serlo OER-Freiheitsskala

  1. freier Zugang
  2. freie Lizenz
  3. freie Quelle
  4. freie Praxis
  5. freie Kultur

Stufe 1 - freier Zugang

Stufe 1 umfasst Lehr- und Lernmaterialien, für deren direkte Benutzung kein Geld gezahlt werden muss und deren indirekte finanzielle Kosten (z.B. Laptop, Internetzugang, Busticket zur Abholung) möglichst gering gehalten werden. Die OER stehen frei im Internet, für den Zugang darf nicht mit personenbezogenen Angaben "bezahlt" werden, der Zugang darf keiner besonderen Note, Gruppenzugehörigkeit etc. bedürfen.

Kommentar

Zu beachten ist, dass Lehr- und Lernmaterialien, welche die Stufe 1 erfüllen trotzdem auch exklusiv sind. Eine Texterklärung beispielsweise schließt Personen aus, die nicht lesen können, das Internet nicht nutzen, keine Kenntnis von diesem bzw. vergleichbaren Angeboten haben, kein Geld für Endgeräte und Netzwerkzugang haben, kein Deutsch verstehen, keine Zeit haben, z. B. weil sie zwei Jobs brauchen um ihre Familie zu ernähren, oder Menschen bei denen fehlende motorischen Fähigkeiten die Benutzung von Maus und Tastatur einschränken.

Folglich ist es wahrscheinlich, dass auch Lehr- und Lernmaterialien der Stufe 1, vor allem unter globaler Betrachtungsweise nur einer Elite frei zugänglich sind.

Stufe 2 - freie Lizenz

Ab Stufe 2 spricht man von "OER".

Stufe 2 beschreibt Lehr- und Lernmaterialien, die unter einer freien Lizenz stehen. Eine freie Lizenz erlaubt z. B. die Veränderung, Verfielfältigung und Weiterverbreitung eines Materials unter der Bedingung, dass der ursprüngliche Autor genannt wird und die Bearbeitung wiederum unter freier Lizenz steht. Stufe 2 umfasst auch Lizenzen mit der Einschränkung "keine kommerzielle Nutzung".

Kommentar

Wie bei Stufe 1 handelt es sich auch hier um die Beschreibung eines Potenzials und nicht eines Zustandes. Aus der freien Lizenzierung entsteht kein Automatismus zur Weiterverwendung, die Lizenz verringert die juristischen Hürden für eine Weiterverwendung. Die Mitaufnahme der Einschränkung "keine kommerzielle Nutzung" ist umstritten.

Stufe 3 - freie Quelle

Die Weiternutzung wird so einfach wie möglich gemacht, indem offene Formate genutzt werden, die Quelldatei mit zur Verfügung gestellt wird (z. B. das Rohmaterial eines Videos), OER medienneutral erstellt und gespeichert werden, APIs die automatische Abfrage der OER ermöglichen, die Lizenz technisch auslesbar ist, saubere Metadaten die standardisierte Distribution verbessern und und Autorentools eine Weiternutzung unterstützen.

Kommentar

Angebote auf Stufe 3 haben die Ermöglichung der Weiternutzung nicht nur gut gemeint sondern auch gut gemacht.

Stufe 4 - freie Praxis

Stufe 4 betrachtet die tatsächliche Praxis in der Entstehung und Weiternutzung von OER. Sie beinhaltet OER, die unter breiter Partizipation konzipiert und erstellt werden, zum Beispiel durch Mitarbeit in Wikis, Etherpads oder Booksprints. So weit es das Dateiformat erlaubt, muss die Möglichkeit zur Partizipation auch nach der Veröffentlichung fortbestehen. Bei OER der Stufe 4 geschieht Weiternutzung z. B. durch Verbreitung auf anderen Plattformen oder Beiträgen zu OER anderer Akteure.

Kommentar

Stufe 4 ist der Realitätscheck für die mit OER ververbundenen Potenziale. Angebote der Stufe 4 können nicht nur auf die theoretische Möglichkeit der Partizipation und Weiternutzung hinweisen, sondern tragen tatsächlich dazu bei.

Stufe 5 - freie Kultur

Die fünfte Stufe betrachtet die Motivation des Anbieters anhand des Kontextes in dem das Bildungsangebot entsteht und bereitgestellt wird.

OER, die freie Software nutzen (Mediawiki, Ory, Libre Office, Ubuntu), auf freiem Wissen aufbauen (Phineo Kursbuch, Wikipedia, Scrum...), frei von Werbung sind, aus einem transparenten Entstehungsprozess hervorgehen (Revisionssystem, nachvollziehbare Diskurse), von transparenten Organisationen (ITZ Siegel, transparente Planung, Wirkungstransparenz) und von demokratischen Organisationen (alle dürfen mitwirken und mitbestimmen) entwickelt werden.

Kommentar

OER auf Stufe 5 sind equivalent zu "Freier Software" im Unterschied zu "Open Source Software". Es geht um einen interdisziplinären Freiheitsbegriff, über technische und lizenzrechtliche Merkmale hinaus, um ein freies Menschenbild, Emanzipation, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit.


Vielen Dank an René Pickardt für Anregungen und Feedback.

Ich freue mich über weiteres Feedback und Kommentare an simon.koehl@serlo.org.

Jeder ist seiner Wirkung Schmied! Nessa - 22. Dezember 2014


Kloster

Was für ein Wochenende! Im beschaulichen Bad Wimpfen bei Stuttgart trafen sich zwanzig engagierte Menschen zum Auftakt der Wirkungsschmiede. Da durften natürlich auch zwei Vertreter der Serloianer nicht fehlen!

Im schönen Kloster Bad Wimpfen arbeiteten wir mit Hilfe der Malteser Werke und PEP Ashoka drei Tage lang an der wirkungsorientierten Ausrichtung unseres Projektes. Dabei lernten wir nicht nur von den Mentoren, sondern auch von den anderen Teilnehmern!

Wir treffen uns an drei Wochenenden in Bad Wimpfen bzw. Berlin, um an unseren Projekten zu arbeiten. Dieses Wochenende im Dezember war den Wirkungsketten gewidmet. Wir definierten die Wirkung, die Serlo erzielen soll, und überlegten, wie wir diese Wirkung erreichen und messen können.

So können wir unsere Aktivitäten planen, um effektiv unseren Zielen näher zu kommen!

Ganz besonders hat uns dabei der Austausch mit den anderen Teilnehmern gefallen. Es war spannend, Einblick in deren Projekte zu bekommen und ihnen widerum Serlo vorzustellen. Wir haben super Tipps bekommen, wie wir unsere Aktivitäten gestalten und unsere Ressourcen optimal nutzen können!

team

Die Organisatoren haben auch für eine tolle Freizeitgestaltung gesorgt! Nach einem erfolgreichen Samstag, an dem wir unser Geschäftsmodell ausdifferenziert und spannenden Input bezüglich "Social Entrepreneurship" bekommen haben, sind wir alle zum Bad Wimpfener Weihnachtsmarkt gewandert!

weihnachtsmarkt

Durch die gemeinsamen Abende und Mahlzeiten konnten wir uns untereinander austauschen und kennenlernen. Die freie Zeit war somit mindestens so lohnend wie die Workshops und Teamarbeit!

Leider ging das inspirierende Wochenende schnell zu Ende. Was bleibt, ist die Vorfreude auf das nächste Treffen im April in Berlin!

Bis dahin sind wir dankbar für die professionelle Unterstützung durch Mentoren und Coaches, die uns die Malteser Werke und Ashoka vermitteln!

In diesem Sinne:

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch, auf ein wirkungsvolles Jahr 2015!

Euer Serlo-Team

Spring Academy 2015 Hannes - 7. Dezember 2014


Für die Spring Academy im nächsten Jahr gibt es jetzt den offiziellen Flyer! Also am Besten teilen oder selbst bewerben!

Ashoka verdoppelt deine Spende auf betterplace.org! roehren - 27. November 2014


Spenden für Serlo via Betterplace hat sich noch nie so gelohnt wie jetzt: Denn Askoka verdoppelt jede Spende für uns!

Super gute Aktion, danke an das PEP-Team, die das für Serlo möglich gemacht haben. PEP - Programm Engagement mit Perspektive - ist ein Programm von Ashoka und existiert seit 2012. Mit Unterstützung von SAP wurden in den vergangenen Jahren 500 junge Sozialunternehmer mit Stipendien, Coaching oder Weiterbildungen unterstützt, darunter auch Serlo im Rahmen des IT4Change Coachings und durch das PEP-Vollzeit-Stipendium für Simon Köhl.

Dann nichts wie los, hier gehts lang zum doppelt Spenden: Serlo Betterplace Profil

Das war die erste Serlo-Klausurtagung roehren - 25. November 2014


Auf der gemütlichen Kohlstattalm bei Benediktbeuren hat am Wochenende vom 21.-23. November 2014 die erste Serlo Klausurtagung stattgefunden! 16 Serloianer machten sich zusammen auf den Weg um ein Wochenende lang das Serlo-Jahr 2015 wirkungsorientiert zu planen - und dabei jede Menge Spaß zu haben.

Nach einem mühsamen Aufstieg - immerhin mussten wir rund 60kg Essen und 3 Bierkästen nach oben tragen - wurden wir mit einer idyllischen Bergkulisse belohnt. Die Benediktenwand im Hintergrund, der erste Schnee und dazu Sonne - so hatten wir uns das vorgestellt!

Ohne Strom, Internet und fließend Wasser war das alles schon ein kleiner Abenteuertrip, die Hütte liegt auf 1.000m, geheizt wurde mit Holz und auch der Herd funktionierte auch nur mit Brennholz. Matratzenlager und Brunnen, alles weniger komfortabel als gewohnt, dafür umso lustiger mal raus aus der Komfort- und Internetzone zu sein.

Nach dem Ankommen und einer kleinen Stärkung starteten wir mit dem Rückblick auf das Serlo Jahr 2014. Die Teams Redaktion, Organisation und Softwareentwicklung hatten schon vor der Hütte Vorbereitungen getroffen und so staunten wir nicht schlecht, was sich bei Serlo alles in diesem Jahr bewegt hat! Mit dieser Energie konnten wir uns am Samstag in die Jahresplanung 2015 stürzen. Grundlage der Planung war die in unseren Wirkungssessions im vergangenen halben Jahr erarbeitete Serlo-Wirkungskette. Nun galt es, die Wirkungsziele auch in der Jahresplanung der einzelnen Teams in Aktivitäten umzusetzen.

Die vier Teams (Mathe- und Bio-Redaktion, Softwareentwicklung und Orga) überlegten, inwiefern sie zu der in der Wirkungskette beschriebenen Wirkung beitragen und welche Aktivitäten dafür besonders wichtig sind. Auch erste Indikatoren wurden gemeinsam entwickelt.

Anschließend entstanden Jahrespläne - ganz ohne Computer erst mal auf Packpapier - in denen neben den Aktivitäten auch der Zeitraum und die benötigten Ressourcen eingezeichnet wurden.

Fazit: Wir haben wie immer viele spannende Sachen in 2015 vor und brauchen einfach noch mehr Menschen die mithelfen!

Stolz konnten wir am Samstagabend sehen, wie produktiv der Tag war und wie viele Ergebnisse wir mit nach unten ins Tal und ins nächste Jahr mitnehmen.

Danke an Jacob Rohm für die Moderation der Serlo-Klausurtagung!