Erstes Serlo-Lernvideo online roehren - 16. Oktober 2014


Video Vorschau

Die Serlo-Video-AG hat super Arbeit geleistet und nun ist das erste selbst-produzierte Serlo-Lernvideo online! Es geht um das Thema Schriftliche Addition, auf Serlo gibts nun neben dem ausführlichen Artikel auch das dazu passende Lernvideo.

Wer Lust hat, auch bei der Videoproduktion zu helfen, kann sich gerne unter info-de@serlo.org melden, dann vermitteln wir den Kontakt zur Video-AG gerne weiter!

OER-Konferenz 2014 Simon - 16. September 2014


OER Konferenz Simon Köhl und Thomas Curran

Dieses Jahr fand zum zweiten Mal die OERde14-Konferenz in Berlin statt. Auf der Konferenz trafen sich Bildungsaktivisten, gemeinnützige Organisationen, Unternehmen, Politik, staatliche Projekte und Schulen rund um das Thema OER - Open Educational Resources.

Von Serlo mit dabei waren Tinsaye, Gent, Simon und Thomas. Wir waren mit insgesamt drei Programmpunkten auf der Hauptbühne vertreten:

Vortrag und Podiumsdiskussion können hier noch einmal angesehen werden: werkstatt.bpb.de

Mission

Unser Ziel war es, dass alle Teilnehmenden nach den beiden Konferenztagen Serlo kennen. Des Weiteren wollten wir den Diskurs rund um OER (freie Lehr- und Lernmaterialien), was das genau ist und warum sie wichtig sind, beeinflussen. Unserer Meinung nach reicht die einfache Benutzung einer freien Lizenz noch nicht aus, sondern OER sollten danach beurteilt werden, ob sie zu mehr Bildungsgerechtigkeit und mehr Beteiligung und Mitbestimmung der Schüler*innen beitragen.

Monika Fischer über Serlo

Learnings

Simon: In der großartigen Opening Keynote hat sich Prof. Dr. Dirk Van Damme (OECD) für ein Verständnis von OER stark gemacht. Bei diesem Verständnis steht im Vordergrund, dass Materialien tatsächlich bearbeitet werden können. Dem gegenüber stehen unter anderem Massive Open Online Courses (MOOCs), die zwar kostenlos verfügbar sind aber als abgefilmte Vorlesung unter klassischem Urheberrechtschutz überhaupt nicht zur Nachnutzung zu gebrauchen sind.
In ihrer Closing Keynote wiederum zeigte Nicole Allen (SPARCS), welche Ergebnisse die gut finanzierte OER-Szene in den USA bereits vorweisen kann. Die Bewegung hat dort vor allem Schul- und Lehrbücher unter freier Lizenz angefertigt. Finanziert werden diese teilweise durch öffentliche Förderungen und teilweise durch Geschäftsmodelle wie kostenpflichtiger Druck und Versandt von frei lizenzierten Büchern. Auf meine Nachfrage wusste Frau Allen im englischsprachigen Raum von keinem Wiki-basierten, non-profit Projekt wie Serlo.

Die Keynotes sind unter folgendem Link online: http://werkstatt.bpb.de/2014/09/nachlese/

Tinsaye: Ein sehr häufig gefallenes Wort war „Kollaboration“ Das kollaborative Arbeiten betonten nicht nur Dr. Verena Metze-Mangold (Vizepräsidentin Deutsche UNESCO Kommission), Thomas Krüger (Präsident bpb) sondern auch viele der anwesenden Lehrkräfte. OER-Plattformen sollen nicht nur Lernmaterialien zur Verfügung stellen sondern auch den Schülern ermöglichen Inhalte zu kreieren. In seiner Session zum Thema „OER und Digitales Lernen in der Schule“ sagte der Physiklehrer Norbert Hillebrecht „[...] viel spannender wird das Lernen, wenn die Schüler wirklich eigene Produkte erstellen können.“ Zum Vortrag

Doch wie erreicht man mehr Kollaboration und was brauchen Lehrer neben anderen Lernmaterialien. Einige der erwähnten Beispiele waren Lerntagebücher (um Lernleistung mit Materialien von Anderen und recherchierte Materialien zu dokumentieren), ePortfolios, Wikis (eigene Wissensspeicher in der Klasse), kommentieren von Blogs (gegenseitiges Bezugnehmen anregen), Filme und Erklärvideos.

Auf der anderen Seite sehen viele der Konferenzteilnehmer als Hindernisse für die Nutzung von OER durch die Lehrkräfte, unter anderem die mangelnde Medienkompetenz der Lehrenden, unausgeprägte Kultur des Teilens und rechtliche Unsicherheiten. Vor allem bei dem letzten Punkt denkt man sich, dass gerade durch die Creativ-Commens Lizenzen den Autoren/Lehrern eine Barriere abgeschafft werden sollte. So nahmen sich viele als Aufgabe vor, eine Vorbildfunktion, durch Nutzung von OER zu sein und ihren Kollegen die CC-Lizensen näherzubringen. Was wollen wir bei Serlo dazu beitragen?

Live aus Ägypten - Serlo Arabic Hokkaidokürbis - 9. September 2014


Ein Teammitglied aus dem Bereich Internationalisierung ist im Sommer 2014 in Ägypten und berichtet live von seinen Erfahrungen:

"Corrupted your Education" - Streift man dieser Tage durch die Kairoer Innenstadt sind die Wände voll mit Graffiti, welche wie ein Schulbuch Zeugnis ablegen von der ereignisreichen Geschichte Ägyptens seit im Jahr 2011 die Bevölkerung den Diktator Hosni Mubarak gestürzt hat.

Die Schreie der Menschen auf dem Tahrirplatz nach "Freiheit, Brot und soziale Gerechtigkeit" haben in den Augen der meisten bis heute wenig Gehör gefunden.

Corrupted Education

Nicht nur die gewaltsame Unterdrückung aller erneuten Proteste durch die neue Regierung und das Militär fördern die Frustration der Massen. Viele Jugendliche in Kairo beklagen, dass sie zwar einen staatlichen Schulabschluss oder gar einen Universitätsabschluss erlangt haben, die Qualität der Ausbildung allerdings trotzdem sehr zu wünschen übrig lässt. Eltern aus der reichen Oberschicht schicken ihre Kinder auf Privatschulen wie die deutsche Schule oder das Cairo American College an dem die Schulgebühren 22.000$ pro Jahr betragen.

Für den Großteil der Bevölkerung, vor allem in den ländlichen Regionen, gibt es kein allgemein zugängliches und qualitativ internationalen Standards entsprechendes Bildungssystem.

Gleichzeitig sind in Ägypten mehr als 35 Millionen Menschen mit dem Internet verbunden. Über soziale Netzwerke wird ein großer Teil des privaten, aber auch des geschäftlichen und politischen Austausches kommuniziert.

Ein Ziel von Serlo ist es, freie Bildung auch in anderen Sprachen zugänglich zu machen. Die desolate Situation der Bildungssysteme im Nahen Osten verbunden mit einer sehr jungen, technikbegeisterten und seit der Revolution 2011 hoch motivierten Bevölkerung machen Ägypten zu einem idealen Startpunkt für den Aufbau der arabsischen Sprachversion.

Bei einem Besuch im August 2014 konnten Mitarbeiter von Serlo gemeinsam mit Bildungsnetzwerk Y-PEER Egypt einen Plan entwickeln, wie Serlo Arabisch aufgebaut werden kann. Das Potential und die Skalierungsmöglichkeiten sind enrom: Arabisch ist offizielle Sprache in 27 Ländern mit knapp 300 Millionen Muttersprachlern.

In den nächsten Wochen wird unter dem Stichwort "Internationalisierung" neben dem englischen Prototyp von Serlo daran gearbeitet ein Team in Ägypten aufzubauen und ihnen das nötige know-how und die grundlegenden Ressourcen bereitzustellen, um die arabische Version zu starten.

"Die Revolution hat uns gezeigt, dass wir einen autokratischen Despoten aus dem Amt jagen können. Sie hat uns gezeigt, dass wir alles können, wenn die jungen Ägypterinnen und Ägypter sich zusammenschließen."

Diese Sätze von Bishoy Tarsoum, Ansprechpartner von Serlo bei Y-PEER Egpyt, zeigen das neue Bewusstsein in der ägyptischen Gesellschaft. Das Team von Serlo freut sich darauf Seite an Seite mit engagierten jungen Menschen auf der anderen Seite des Mittelmeers an dem Wandel in der arabischen Welt mitzuwirken.