Postwachstumsökonomie

Eine ökologisch orientierte Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften ist die Postwachstumsökonomik. Diese bildet den analytischen Rahmen für einen konkreten Zukunftsentwurf: die Postwachstumsökonomie. Dieser Zukunftsentwurf beschreibt eine Wirtschaft ohne Wachstum.

Doch was bedeutet Wirtschaft ohne Wachstum?

Allgemein gesprochen geht es um einen sozialverträglichen Rück- und Umbau des Industriesystems. Dazu müssen Versorgungsstrukturen weniger kapitalintensiv, aber dafür vermehrt generalistisch und räumlich begrenzt sein (Subsistenz) sowie genügsamer (Suffizienz).

Die Ökonomen kristallisieren dazu fünf Transformationsschritte heraus.

1. Suffizienz

Das lateinische Wort "sufficere" steht für "ausreichen, genügen". In diesem ersten Transformationsschritt geht es also um Genügsamkeit, um Reduktion und die Befreiung von Zeit beanspruchendem Überfluss im Kontext der begrenzten natürlichen Ressourcen , des Klimawandels und drohenden Artenverlusts .

Suffizienz will, dass Lebensqualität ohne materiellen Reichtum erreicht werden kann

Suffizienz heißt, es soll Material und Energie gespart werden und im Endeffekt weniger konsumiert werden. Suffizienz bedeutet aber nicht nur persönlichen Versicht, sondern soll auch zur Zukunftsstrategie von Politik und Unternehmen gehören. So können zum Beispiel auch Städte und Gemeinden eigene Beiträge leisten – mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung und weniger Flächenverbrauch, dezentraler Energieversorgung und Energiesparprogrammen.

2. Subsistenz

Subsistenz bedeutet den Fokus auf Selbstversorgung zu legen. In einer Subsistenzwirtschaft produzieren Menschen in erster Linie selbst, was sie zum Leben brauchen, sie bauen z.B. ihre eigene Nahrung an. Diese Art des Wirtschaftens ist vor allem durch regionale und lokale Beziehungen und soziale Netze geprägt. Nationale oder internationale Märkte verlieren an Bedeutung.

Zwischen dieser reinen Subsistenz, die auf Selbstversorgung basiert und unserer heutigen Wirtschaftsform existieren verschiedene Abstufungen.

Vertreter der Postökonomik schlagen vor, Subsistenz in so einer abgestuften Form zu leben. Eine Wochenarbeitszeit von rund 20 Stunden würde Zeitressourcen freisetzen, die z.B. einem Handwerk, der Kindererziehung, der Nachbarschaftshilfe, der Mitwirkung in Gemeinschaftsgärten, der Pflege und Reparatur von Konsumgütern sowie der gemeinsamen Produktnutzung gewidmet werden könnten. Statt materieller Ressourcen für die Neuproduktion würden somit folgende Ressourcen in den Vordergrund rücken:

  1. Handwerkliche Fähigkeiten zur Eigenproduktion und

    Verlängerung der Nutzungsdauer von Gütern,

  2. eigene Zeit, die dazu nötig ist

  3. soziale Beziehungen zwecks Gemeinschaftsnutzung und

    Leistungsaustausch.

3. Regionalwirtschaft

Die reine Subsistenz und die internationale Arbeitsteilung, die wir heute beobachten können, sind zwei Extreme. Regionalökonomien können hier als ergänzende Versorgungssysteme etabliert werden.

Unternehmen können sich weiter spezialisieren und so ihre vorteilhaften Kenntnisse für die Region nutzen. Wenn dazu regionale Währungen eingeführt werden, ist die Kaufkraft regional gebunden.

4. Stoffliche Nullsummenspiele als Produktionsmodus

Hier liegt der Fokus auf dem Erhalt bzw. der Aufwertung vorhandener Güterbestände und Infrastrukturen durch Renovation, Konversion, Optimierung, Nutzungsdauerverlängerung oder Nutzungsintensivierung. „Umbau statt Neubau“ ist die Devise.

Reparier- und Leihcafés sind eine gute Möglichkeit, um die Lebensdauer eines Produktes zu erhöhen. Vielleicht gibt es ja auch eines in deiner Nähe? Auch Kleidertauschparties passen in dieses Konzept.

5. Institutionelle Innovationen

Dem Wachstumszwang unseres heutigen Systems kann durch Boden-, Geld- und Finanzmarktreformen entgegengewirkt werden. Dabei geht es neben der Schaffung neuer Unternehmensformen und einer Durchforstung des "Subventionsdschungels" zur Reduktion öffentlicher Verschuldung und ökonomischer Schäden vor allem auch um die Entsiegelung und Renaturierung von Industrieparkanlagen, Autobahnen, Parkplätzen und Flughäfen.

Erfindungen und Neuerungen, die das bestehende Handlungsmuster durchbrechen, helfen uns dem Sog des Wachstums zu entkommen und ein neues System basierend auf besseren Werten wie Gemeinschaft und Nachhaltigkeit aufzubauen.

Quellen:

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