Unter Internetabhängigkeit versteht man den zwanghaften Drang, sich regelmäßig und exzessiv mit dem Internet zu befassen. Internetabhängigkeit zählt zu den stoffungebundenen Abhängigkeiten.

Üblicherweise wird zwischen Onlinespielsucht, Onlinesexsucht und Onlinekommunikationssucht unterschieden.

Verzweifelte Frau vor Laptop

Die Zahlen

Die Gefahr für Internetabhängigkeit ist für allem bei jungen Menschen sehr groß. Wann immer es gerade schwierig ist, einen Platz im Leben und im sozialen Umfeld zu finden, bietet das Internet eine gefährliche Fluchtmöglichkeit: Der Aufbau eines virtuellen Lebens voller Spannung und Erfolg. Die Süchten verpassen dabei aber die Gelegenheit, Teil echter sozialer Gruppen zu werden.

Eine deutsche Untersuchung aus den Jahren 2010 und 2011 hat ergeben: In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen ist die Verbreitung der Internetsucht am größten: 2,4 Prozent abhängige und 13,6 Prozent problematische Internetnutzer. In der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen wurden deutlich mehr internetabhängige Mädchen (4,9 %) als Jungen (3,1 %) gefunden. Die auffälligen Mädchen nutzen vor allem soziale Netzwerke wie Facebook und eher selten Onlinespiele. Die Jungen nutzen seltener soziale Netzwerke und häufiger Onlinespiele.

Merkmale einer internetabhängigen Person

  • Einengung des Verhaltensraums: Der größte Teil des Tages wird im und mit dem Internet verbracht.
  • Kontrollverlust: Die Person hat keine Kontrolle mehr darüber, wie viel Zeit sie im Internet verbringt. Versuche, das Internet weniger zu nutzen, sind erfolglos.
  • Toleranzentwicklung: Immer mehr Zeit muss im Internet verbracht werden.
  • Entzugserscheinungen: Bei Unterbrechung der Internetnutzung treten Beeinträchtigungen auf (Nervosität, Gereiztheit, Aggressivität) und starkes Verlangen nach dem Internet auf.
  • Negative soziale und personale Konsequenzen: Die Person verliert zunehmend soziale Kontakte (zb. Freunde), die schulische Leistung sinkt.

Formen

Die genaue Einteilung der Internetabhängigkeit ist noch umstritten. Auch ist noch unklar, wie sie von anderen nicht-stofflichen Abhängigkeiten unterschieden werden soll. (Ist Abhängigkeit von Online-Glückspielen nun Onlinesucht oder Glücksspielsucht?) Momentan unterscheidet man zwischen:

Onlinespielsucht: Übermäßige Nutzung von Computerspielen, insbesondere von Onlinespielen mit ausgeprägter Communityeinbindung.

Diese Sucht betrifft häufig männliche Jugendliche.

Onlinekommunikationssucht: Übermäßige Nuztung von Online-Kommunikationsmöglichkeiten, wie Foren, Chaträumen, E-mails oder sozialen Netzwerken.

Diese Sucht betrifft häufig weibliche Jugendliche.

Onlinesexsucht: Übermäßige Nutzung und Downloaden von pornographischen und sexuellen Inhalten aus dem Internet.

Diese Sucht betrifft häufig gebildete junge Männer, etwa Studierende.

Ursachen

Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, die außerhalb der elterlichen Kontrolle uneingeschränkten Zugang zum Internet haben und täglich mehrere Stunden am Computer verbringen. Die betroffenen Kinder versuchen oft, über Kommunikation und Spiel am Computer ihren Problemen zu entkommen. Stress in der Schule oder mit den Eltern und Orientierungslosigkeit im Heranwachsendenalter sind häufig Ursachen hierfür. Im Mittelpunkt der Entwicklungsphase des Kindes steht das Finden der eigenen Position in der Gesellschaft und das Planen der persönlichen Zukunft. An dieser Stelle kann die Flucht vor Problemen in die Ordnung virtueller Welten verheerende Folgen haben.

Meist ist der Rückzug in die virtuelle Welt des Internets ein Flüchten vor den Problemen des Alltags der Betroffenen. Sie kommen nicht mit dem realen Leben zurecht, haben Probleme mit Partnerschaften, in der Schule oder dem Beruf. In der Ersatzwelt des Internets werden sie nicht mit ihren Ängsten und Unsicherheiten konfrontiert und können sich ausleben, können das tun und sein, was ihnen in der realen Welt nicht möglich ist. Sie bekommen dort die Anerkennung und Bestätigung, die ihnen im realen Leben versagt bleibt. Hinter der Internetsucht verbergen sich meist psychische Probleme, Ängste, soziale Unsicherheiten, mangelndes Selbstvertrauen, Depressionen, teilweise auch Langeweile.

Therapieansätze

  • Kernfrage: "Was bekomme ich im Internet, was ich im realen Leben nicht habe?"
  • Zeitpläne erstellen, um die Zeit im Internet zu verringern (Wecker neben den Computer stellen)
  • Ein alternatives Freizeit- und Sozialverhalten aufbauen
  • Soziale Ängste, Hemmungen und seelische Probleme, die sich hinter der Onlinesucht verbergen, bearbeiten und überwinden
  • Sich bewusst wieder für genügend langen Schlaf und gesunde, regelmäßige Ernährung entscheiden

Quellen

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