Selbst bei den einfachsten Verhaltensweisen, wie beispielsweise der Nahrungsaufnahme, gibt es spezielle Erbkoordinationen, die genau festlegen in welcher Reihenfolge welches Verhalten ausgeführt werden soll. Diese Instinkthandlungen werden durch Reize ausgelöst.

Die komplexe Erbkoordination tritt meist beim Nahrungsverhalten auf, ist in drei typische Schritte gegliedert und befolgt das Prinzip der doppelten Quantifizierung.

Doppelte Quantifizierung

Sowohl die Schlüsselreize, als auch die Handlungsbereitschaft für die Verhaltensweise müssen stimmen um die Erbkoordination auslösen.

Ablauf

%%1.%% Ungerichtetes Appetenzverhalten: variabel

%%2.%% Taxis (= gerichtete Annäherung): in der Richtung festgelegt

%%3.%% Starre Endhandlung: wenn ausgelöst, dann läuft das Verhaltensmuster bis zum Ende starr ab

Beispiel: Erdkröte

  • Richtungsloses Umherlaufen und Warten auf der Suche nach Beute (ungerichtetes Appetenzverhalten)

  • Wendereaktion in Richtung der Beute und Fixierung der Beute mit den Augen (positive Taxis)

  • Zuschnappen als stereotype Verhaltensweise. Anschließendes Putzen der Schnauze mit den Vorderbeinen (starre Endhandlung)

Attrappenversuche

Um heraus zu finden, welcher Reiz für das Verhalten ausschlaggeben ist, führt man Attrappenversuche durch. Dabei verwendet man eine Attrappe, die dem vermuteten Schlüsselreiz ähnlich sieht und reduziert diese dann auf Einzelreize. Gemessen an der Reaktion des Individuums lässt sich messen, welche Reize als Schlüsselreize für die Erbkoordination gelten.

Reizsummation

Oft müssen mehrere Einzelreize auf das Individuum einwirken,damit die Reaktionsstärke erreicht wird. Die Reize werden also aufsummiert.

Übernormale Attrappen

Vereint man die Schlüsselreize in besonders ausgeprägter Form in einer Attrappe, so kann diese Superattrappe wirksamer als das Original sein.

Angeborener Auslösemechanismus

Damit alle Einzelreize verknüpft und verrechnet werden, das richtige Verhalten ausgewählt wird und die Reizstärke mit der Handlungsbereitschaft verrechnet wird, gibt es als Filtermechanismus den angeborenen Auslösemechanismus.

Beispiel: Stichlingsattrappe

Stichlinge reagieren auf bestimmte Reize mit Kampflust. Verschiedene Attrappen sollen aufdecken, welche Schlusselreize dabei eine Rolle spielen.

  • Zeigt man den Stichlingen eine Fisch-Attrappe mit rotem Rücken, so erfolgt keine Kampfreaktion

  • Wird diese Attrappe aber bewegt, so steigt die Kampflust

%%\rightarrow%% Bewegung als Schlüsselreiz

  • Ist es eine Fisch-Attrappe mit rotem Bauch, so löst diese auch ohne Bewegung eine Kampfreaktion aus

  • Selbst wenn man die Form der Attrappe verändert, steigert die rote Farbe an der Unterseite die Kampflust

%%\rightarrow%% Roter Bauch als Schlüsselreiz


Quellen

  • http://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/attrappenversuch/1052
  • http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/angeborener-ausloesender-mechanismus/3494
  • http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/uebernormaler-schluesselreiz/68285
  • https://abitur-wissen.org/index.php/biologie/verhaltensbiologie/366-verhaltensbiologie-instinkte-instinkhandlung-und-erbkoordination
  • http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/erbkoordination/22085
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