Unter dem AcI versteht man eine Satzkonstruktion im Lateinischen, die sich aus einem Akkusativ und einem Infinitiv zusammensetzt.

Ausgelöst wird der AcI durch Verben

  • des Sagens, z.B.: dicere (sagen)
  • des Meinens, z.B.: putare (glauben, meinen)
  • des Fühlens und Wahrnehmens, z.B.: gaudēre ( sich freuen)
  • und spezifische unpersönliche Ausdrücken wie z.B. das Verb "constat".

Wie übersetze ich einen AcI ins Deutsche?

Der AcI ist eine Satzkonstruktion, die aus einem Akkusativ, einem Infinitiv und einem finiten Verb (Verb mit Personalendung/Prädikat) besteht. Im Deutschen wird der Satz mit einer "dass-Konstruktion", die vom finiten Verb abhängig ist, übersetzt. Das Substantiv, das im Akkusativ steht, wird dabei zum Subjekt des "dass-Satzes" und der Infinitiv zum finiten Verb.

Wenn man also einen Satz übersetzen möchte, und einen Akkusativ und einen Infinitiv sieht, muss man folgende Übersetzungsschritte durchführen:

Beispielsatz: Gaudeo amicum venire.

  1. Schritt: Akkusativ und Infinitiv finden=> In diesem Fall amicum und venire

    Nun wurde erkannt, dass wir es mit einem AcI zu tun haben.

  2. Schritt: Finites Verb finden, ins Deutsche übersetzen und ein "dass" anhängen=> In diesem Fall gaudeo =" Ich freue mich, dass… "

  3. Schritt: Aus zuvor erkanntem Akkusativ, das Subjekt des "dass"-Satzes machen: "Ich freue mich, dass der Freund…"

  4. Schritt: Aus zuvor erkanntem Infinitiv, das finite Verb des "dass"-Satzes machen: "Ich freue mich, dass der Freund kommt."

Das alles hört sich vielleicht auf den ersten Blick sehr neu und fremd im Deutschen an, doch es gibt auch im Deutschen vergleichbare Konstruktionen:

Zum Beispiel: Wir sehen Dich kommen = Wir sehen, dass Du kommst. Dabei entspricht "sehen" dem finiten Verb und ist ein Verb des Wahrnehmens, "Dich" entspricht dem Akkusativ und "kommen" dem Infinitiv.

Die Zeitverhältnisse und ihre Übersetzung

Da es im Lateinischen drei verschiedene Infinitivformen gibt, müssen bei der Übersetzung die Zeitverhältnisse beachtet werden.

  1. Fall: Vorzeitigkeit mit dem Infintiv Perfekt

    Gaudeo amicum venisse.

    Ich freue mich, dass der Freund gekommen ist.

  2. Fall: Gleichzeitigkeit mit dem Infinitiv Präsens

    Gaudeo amicum venire

    Ich freue mich, dass der Freund kommt.

  3. Fall: Nachzeitigkeit mit dem Infinitiv Futur

    Gaudeo amicum venturum esse.

    Ich freue mich, dass der Freund kommen wird.

    Beachte hierbei, dass das Partizip des Infinitiv Futurs im Akkusativ steht, weil es in Kongruenz mit dem Akkusativ des AcIs steht.

Analog funktioniert das auch, wenn das finite Verb schon z.B. in der Vergangenheit steht. Auch hier versucht man die Zeitverhältnisse zu berücksichtigen, wobei man im Deutschen hierfür meist den Konjunktiv verwendet.

Beispiel:

Gaudebam amicum venturum esse.

Ich freute mich, dass der Freund kommen werde.

Beispielsätze

Puto te felicem esse.

Ich denke, dass Du glücklich bist./ Ich halte Dich für glücklich.

Nicht: Ich denke Dich glüklich zu sein.

Constat virum laetum esse.

Es steht fest, dass der Mann fröhlich ist.

Scio neminem posse beate vivere(…).

Quelle: Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, ep. 16

Ich weiß, dass niemand glücklich leben kann.

Aufpassen: Hier haben wir zwei Infitive, nämlich posse un vivere. Man muss also nach der Logik des Satzes entscheiden, welcher übersetzungstechnisch besser passt.

Zur Übung

Leichtes Beispiel:

Te cantare audio.

Übersetzung

Ich höre, dass Du singst.

Oder eleganter im Deutschen ausgedrückt: Ich höre Dich singen.

Mittelschweres Beispiel:

Scio neminem posse beate vivisse.

Übersetzung

Ich weiß, dass niemand glücklich leben konnte.

Schweres Beispiel:

Imperator milites exercitum inamicum superavisse putat.

Übersetzung

Wie einem auffällt, haben wir hier nun zwei Akkusative. Man muss deshalb aus dem Kontext entscheiden, bei welchem Akkusativ es sich um das Subjekt des AcIs handelt, und welcher nur ein Akkusativobjekt ist. In diesem Fall, haben wir keinen Kontext, desehalb hier zwei mögliche Übersetzungen:

  1. Der Feldherr glaubt, dass die Soldaten das feindliche Heer besiegt haben.
  2. Der Feldherr glaubt, dass das feindliche Herr die Soldaten besiegt hat.
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