Darbietungsformen des Erzählens

Darbietungsformen stellen die Erzählweisen dar, mit denen ein Geschehen vermittelt wird und können gleichzeitig die Wirkung des Textes verändern. Dabei werden zwei grundsätzliche Vermittlungsformen unterschieden: der Erzählerbericht und die Figurenrede.

Der Erzählerbericht

Der Erzählerbericht enthält alle Äußerungen des Erzählers, jedoch nicht die Äußerungen der handelnden Figuren. Hierbei kann zwischen zeitlichen und zeitlosen Erzählweisen unterschieden werden.

  • Zeitliche Erzählweisen

    Darunter ist zum einen der Bericht zu verstehen, welcher die ablaufende Handlung und das Geschehen zeigt. Dabei kann die Handlung vom Erzähler gestrafft (Zeitraffung) und die Vorgänge aus der Distanz festgestellt werden.

    Zum anderen versteht man unter der zeitlichen Erzählweise die szenische Darstellung, welche die Handlung genau, ausführlich und unmittelbar wiedergibt, da die Zeitraffung entfällt. Hier ist oft auch die Personenrede enthalten.

  • Zeitlose Erzählweisen

    Hierzu zählen Kommentare und Beschreibungen von Orten und Figuren. Die zeitlose Erzählweise ist unabhängig vom zeitlichen Ablauf der Handlung.

Die Figurenrede

Sie beinhaltet die direkte und indirekte Rede, die erlebte Rede und den inneren Monolog.

  • Direkte Rede

    Hier werden Äußerungen der handelnden Figuren direkt und unverändert wiedergegeben und durch Anführungsstriche markiert. Der Erzähler tritt in diesem Fall zurück und erscheint lediglich in Redeankündigungen.

    Beispiel: Sie sagte: „Heute ist ein schöner Tag.“

  • Indirekte Rede

    Hier werden die Äußerungen oder Gedanken von Figuren durch den Erzähler in der 3. Person und im Konjunktiv wiedergegeben. Die indirekte Rede schafft dabei eine Distanz zum erzählten Geschehen.

    Beispiel: Sie sagte, dass heute ein schöner Tag sei.

  • Erlebte Rede

    Die erlebte Rede gibt die Gedanken und Gefühle einer Figur in der dritten Person Indikativ Präteritum wieder. Sie fällt in den Bereich zwischen der direkten und indirekten Rede, wodurch die Gedanken und Gefühle vom Erzähler wiedergegeben werden. Hierbei fällt der Einschub „sie/er dachte […]“ weg. Das führt dazu, dass die Distanz zwischen dem Erzähler und der Figur aufgehoben wird.

    Beispiel: Luis wollte sie unbedingt sehen und mit ihr sprechen.

  • Innerer Monolog

    Beim inneren Monolog werden ebenfalls Gefühle, Gedanken und Ahnungen wiedergegeben, diesmal aber in der Ich-Form und meist im Präsens. Durch diese Unmittelbarkeit rückt der Erzähler in den Hintergrund und wir erfahren etwas über das Innenleben und die Gefühls- und Gedankenwelt der Figur. Man blickt sozusagen direkt in die Figur hinein. Da der innere Monolog eine Art Selbstgespräch darstellt, bekommen die anderen Figuren davon nichts mit.

    Beispiel: Ich sitze im Zug und denke an unsere gemeinsame Zeit. Ich bin so glücklich […].

  • Bewusstseinsstrom bzw. (stream of consciousness)

    In modernen Texten findet man häufig den stream of consciousness, bei dem eine Aneinanderreihung von Gedanken, Empfindungen und Wahrnehmungen stattfindet. Die Emotionen der Figur werden hier also sehr detailliert dargestellt. Auch hier führt die Unmittelbarkeit dazu, dass die Lesenden die Gefühle mitempfinden können.

    Beispiel: Die Sonne, die Luft, die Wärme. Ich bin erstaunt und gleichzeitig überglücklich an diesem Ort zu sein.

Quelle

Werner Winkler (2000): Abitur-Wissen Deutsch. Prüfungswissen Oberstufe. Freising: Stark. Der Erzähler, S. 40-41.


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