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Eine Textanalyse schreiben

Die Textanalyse ist einer der wichtigsten Aufsatzformen, die dir in der Schule begegnen. Hier erklären wir dir, worauf es beim Schreiben einer Textanalyse ankommt und was der Unterschied zwischen Textanalyse und Textinterpretation ist.

Was ist eine Textanalyse?

Die Textanalyse ist eine Aufsatzform, bei der man InhaltSprache und Struktur eines Textes analysiert. Anschließend werden die Ergebnisse ausgewertet und die Besonderheiten des Textes herausgearbeitet. Ziel einer Analyse ist es oft, eine Grundlage für die Interpretation zu schaffen.

Eine Textanalyse lässt sich bei jedem Text vornehmen, jedoch wird im Deutschunterricht zwischen der Sachtextanalyse (z.B. eines Zeitungsartikels) und der Analyse eines literarischen Textes (z.B. eines Gedichts oder einer Kurzgeschichte) unterschieden. Dabei liegt die Aufmerksamkeit zwar jeweils auf einem anderen Schwerpunkt, doch im Grunde ist das Vorgehen bei einer solchen Analyse gleichbleibend und lässt sich auf die verschiedenen Textsorten anwenden.

Textanalyse und Textinterpretation: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe Textanalyse und Interpretation werden oft bedeutungsgleich verwendet. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um zwei unterschiedliche Aufsatzarten:

  • Bei einer Textanalyse geht es darum, einen Text in Hinblick auf Aufbau, Inhalt, Sprache und Gestaltung genau zu beschreiben. Das Ziel bei einer Textanalyse ist es also die wichtigsten Merkmale eines Textes herauszuarbeiten und sie in einen logischen Zusammenhang zu bringen.

  • Eine Interpretation baut auf den Ergebnissen der Analyse auf und deutet sie, indem sie sie in einen größeren Zusammenhang einordnet und ihre Aussageabsichten erklärt. Dabei deutest du den Text auf Grundlage deiner Analyse in bestimmten Aspekten. Du stellst dir also die Frage: Was will der Autor mit seinem Text aussagen?

Meist treten Analyse und Interpretation in der Aufgabenstellung zusammen auf, zum Beispiel so: "Analysiere und interpretiere den gegebenen Textauszug unter Berücksichtigung von..." In dem Fall schließt sich an die Analyse sofort auch eine Interpretation an.

Vorbereitung einer Textanalyse

Bevor du mit dem Schreiben einer Textanalyse beginnst, solltest du du diese in einigen Schritten vorbereiten, damit dir das Niederschreiben leichter fällt:

  1. Text lesen: Lese den Text am besten mehrmals ganz in Ruhe durch. Es empfiehlt sich, wichtige Stellen gleich zu markieren oder sich Notizen am Rand zu machen, wenn dir inhaltliche oder sprachliche Besonderheiten auffallen. Auch Unklarheiten und Fragen zum Text solltest du dir gleich notieren. Weiterhin kannst du beim erstmaligen Lesen versuchen, die Entstehungszeit/literarische Epoche, Informationen zum Autor und die Textsorte (z.B. Ballade) des Textes herauszufinden.

  2. Zusammenfassung des Textes: Darauf setzt du dich intensiv mit dem Textinhalt auseinander. Diesen erfasst du, indem du den Text in Sinnabschnitte gliederst und anschließend die Kernaussagen formulierst.

  3. Gliederung schreiben: Bevor du mit dem Schreiben beginnst, entwickelst du eine Gliederung an. Der genaue Aufbau einer Textanalyse ist stark von der Aufgabenstellung und dem Text abhängig. Auf jeden Fall solltest du vom Allgemeinen zum Detail vorarbeiten. Das bedeutet, dass du zunächst grob den Inhalt des Textes zusammenfasst und danach auf sprachliche Details eingehst.

Aufbau einer Textanalyse

Grundsätzlich gliedert sich der Aufbau einer Textanalyse in drei Abschnitte:

  1. Einleitung

  2. Hauptteil

  3. Schluss

Die einzelnen Aspekte, die du in Einleitung, Hauptteil und Schluss benennst, sind jedoch stark von der Aufgabenstellung und der Textsorte abhängig.  Analysierst du zum Beispiel eine Kurzgeschichte, solltest du auf jeden Fall die Erzählperspektive beachten. In einer Gedichtanalyse hingegen wäre es ganz falsch von einem Ich-Erzähler zu sprechen. Bei Gedichten spricht man nämlich vom lyrischen Ich. Allgemein gilt bei der Textanalyse, dass man sich vom Allgemeinen zum Detail vorarbeitet. Das macht deine Textanalyse nicht nur für die Leser*innen verständlich und logisch, sondern es erleichtert auch dir deine Arbeit. Es ist nämlich viel einfacher, bei einem Gedicht erst einmal die Anzahl der Strophen und Verse zu benennen oder das Reimschema zu bestimmen, als direkt Aussagen über den Zusammenhang einzelner rhetorischer Mittel und ihre Relevanz für den jeweiligen Autor oder er Literaturepoche zu treffen. Welche Punkte du bei den unterschiedlichen Textsorten behandeln solltest, zeigen wir dir im Folgenden.

Einleitung

Die Einleitung dient als Einstieg in den Text und macht die Leser*innen mit der Textgrundlage vertraut. Du informierst den Leser also über:

  • Titel

  • Textsorte, z.B. Zeitungsartikel, Kurzgeschichte, Gedicht, Drama

  • Autor

  • Erscheinungsdatum

  • literarische Epoche, z.B. Weimarer Klassik, Sturm und Drang

  • Thema

  • Deutungshypothese

Beachte

"Thema" meint nicht den Inhalt des Textes.  Der Inhalt ist das, was in dem Text passiert. Das ist Thema das, worum es geht und worauf die Kombination aus Form und Inhalt hindeutet.

Hauptteil

Die eigentliche Textanalyse findet sich im Hauptteil. Hier arbeitest du die Bestandteile InhaltStruktur und Sprache aus dem Text heraus.

1. Inhalt Zunächst fasst du im Hauptteil den wesentlichen Textinhalt in eigenen Worten zusammen. Dazu nutzt du die Sinnabschnitte und Kernaussagen, die du in der Vorbereitung herausgearbeitet hast. Falls in deinem Text auch Figuren auftreten, schreibst du im Anschluss an die Inhaltsangabe auch eine kurze Charakterisierung der Protagonisten (Hautfiguren), indem du dich auf die wichtigsten Charaktereigenschaften und die Beziehung der Figuren zueinander konzentrierst. Du kannst dich an folgenden Fragen orientieren:

  • Was ist das Thema des Textes? (Welches Problem wird aufgezeigt?)

  • Welche Handlung oder welches Geschehen wird gezeigt?

  • Ort der Handlung? (Wo spielt sich das Ganze ab?)

  • Welche Figuren gibt es? (Protagonist, Antagonist?)

  • Wie werden diese Figuren beschrieben?

  • Wie verhalten sich die Figuren zueinander?

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen Überschrift und Inhalt?

2. Struktur   In diesem Teil untersuchst du, wie der Text gedanklich aufgebaut ist. Darüber hinaus musst du hier die Merkmale der jeweiligen Textsorte berücksichtigen. Dabei kannst du dich an folgenden Fragen orientieren:

Bei allen Textsorten

  • Wie ist der Text aufgebaut? (Gliederung, Sinnabschnitte?)

  • Wie entwickelt sich die Situation vom Beginn bis zum Ende des Textauszugs?

  • Ist ein Spannungsbogen erkennbar?

  • Gibt es Höhepunkte/Wendepunkte?

  • Welche Argumente/Argumenttypen verwendet der Autor? Sind die Argumente überzeugend?

Bei Prosa, wie z.B. Roman, Kurzgeschichte, Erzählung, ...

  • Gibt es einen Erzähler?

  • Welche Erzählperspektive (Erzählverhalten) nimmt der Erzähler ein? (z.B. auktorial, personal, neutral, Ich-Erzähler)

  • Werden innere Vorgänge der Figuren dargestellt? (z.B. innerer Monolog, erlebte Rede)

  • Wie verhalten sich die Erzählzeit und die erzählte Zeit zueinander?

  • Gibt es Vorausdeutungen oder Rückblicke im Text?

Bei Gedichten

  • Ist das Gedicht aus mehreren Strophen aufgebaut?

  • Wie viele Verse hat das Gedicht?

  • Gibt es wiederkehrende Strophen (Refrains)?

3. Sprache Anschließend analysierst du die Sprache des vorliegenden Textes. Dazu beantwortest du die Fragen:

  • Gibt es sprachliche Auffälligkeiten?

  • Ist die Sprache zeitgemäß? Entspricht sie dem Entstehungsjahr?

  • Welchen Stil verwendet der Autor? (z.B. Fachsprache, Jugendsprache)

  • Welche sprachlichen Mittel und Stilmittel verwendet der Autor?

  • Nutzt der Autor bestimmte Wortarten oder Wortgruppen besonders häufig? Welche Wirkung erzielt er damit?

Bei nicht literarischen Texten, also Sachtexten, widmest du dich im Hauptteil auch der Intention des Autors. Diese Fragen helfen dir zur Orientierung:

  • Was will der Autor von uns? (Handlungsabsicht: z.B. belehrend, mahnend, informierend, erinnernd)

  • Wer ist der Adressat des Textes? 

  • Welche Einstellung hat der Autor zum Geschriebenen? 

  • Gibt es historische, politische, gesellschaftliche Zusammenhänge?

  • Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Intention und Entstehungszeit?

Schluss

Am Ende deiner Textanalyse steht deine Wertung. Während du im Hauptteil deine Deutungshypothese verfolgt hast, beantwortest du sie jetzt: Dazu fasst du noch einmal die Ergebnisse deiner Analyse zusammen.

Danach beantwortest du, ob sich deine Deutungshypothese bestätigt hat. Du kannst auch offene Fragen nennen, die der Text dir nicht beantwortet hat. Damit gibst du dem Leser/der Leserin einen Ausblick auf ähnliche, interessante Themen. Falls der Lehrer/die Lehrerin es ausdrücklich verlangt, kannst du an dieser Stelle auch deine Meinung äußern.

Allgemeine Tipps

Der Aufbau einer Textanalyse gibt dir schon eine große Hilfestellung. Wenn du die genannten Aspekte methodisch abarbeitest, kann strukturell nicht mehr viel schiefgehen. Ansonsten können dir folgende Tipps beim Schreiben deiner Textanalyse helfen:

  • Für die Vorbereitung der Textanalyse solltest du dir unbedingt ausreichend Zeit nehmen. Plane dafür etwa ein Drittel deiner Bearbeitungszeit ein!

  • Achte auf die Aufgabenstellung! Diese verrät dir, welche Aspekte deine Analyse unbedingt beinhalten sollte.

  • Belege alle deine Aussagen mit Textbelegen!

  • Schreibe im Präsens!

  • Auch wenn du schon so viel zu tun hast: Achte auf Rechtschreibung, Zeichensetzung und deine Ausdrucksweise!

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Quellen

    • Schneider, Stefan (2005): Zwischen Text und Interpretation. Textanalyse, Leipzig.

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