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Welche Probleme entstehen durch Big Data?

Big-Data-Technologien bringen in vielen Bereichen große Verbesserungen. Viele Dinge können dadurch schneller und besser organisiert werden – in der Landwirtschaft, in der Medizin, im Straßenverkehr und in vielen weiteren Bereichen. Auch unser Alltag wird durch Big Data oft einfacher und sicherer (mehr dazu in Beispiele: Wie verändert Big Data die Welt?). Gleichzeitig entstehen aber auch neue Probleme und Gefahren, die wir uns bewusst machen sollten.

Problem 1 – Manipulation

Vielleicht hast du schon mal irgendwo gehört, dass mit Big-Data-Technologien unser Verhalten manipuliert werden soll. Aber wie soll das funktionieren?

Stell dir vor, deine Lieblings-Eisdiele merkt sich genau, welche Eissorten du jeden Tag bestellst und analysiert deine Vorlieben. Sie findet heraus, dass du besonders gerne Erdbeer-Eis isst. Dadurch kann sie ihre Werbung ganz genau auf dich abstimmen. Jedes Mal, wenn du vorbeigehst, stellt der Chef ab jetzt also ein passendes Schild vor den Laden. Darauf steht zum Beispiel „Unsere Spezialität: Erdbeer-Eis“. Wenn danach aber dein bester Freund vorbeikommt, der lieber Schokoladen-Eis mag, wird das Schild schnell ausgetauscht. Dann steht da „Unsere Spezialität: Schoko-Eis“.

Für eine echte Eisdiele wäre das natürlich ein großer Aufwand. Der Chef der Eisdiele wäre ständig damit beschäftigt, seine Kunden zu überwachen und das Werbe-Schild auszutauschen. Der Trick würde schnell auffallen und sich nicht wirklich lohnen.

Im Internet funktioniert Werbung aber tatsächlich so. Wenn du auf einer Webseite Werbung für ein neues Eis siehst, wird währenddessen im Hintergrund vielleicht ein Kunden-Profil von dir angelegt: Hast du dir die Eis-Werbung lange angesehen? Hast du vielleicht sogar darauf geklickt? Hast du vorher schon mal im Internet nach einem bestimmten Eis gesucht? All diese Fragen sind für die Werbefirma interessant. Vielleicht fragt sie sogar bei deiner Eisdiele nach, welche Eissorte du am liebsten magst. Oder sie kauft diese Information von einem Datenhändler.

Wenn die Werbefirma dann herausfindet, dass du am liebsten Erdbeer-Eis isst, zeigt sie dir ab jetzt vielleicht nur noch Werbung für Frucht-Eis. Du siehst dann zum Beispiel ein Banner auf dem steht „Du magst Erdbeer-Eis? Probier doch mal unser Himbeer-Eis!“. Dein bester Freund sieht währenddessen aber natürlich andere Werbung. Zum Beispiel „Unser neues Schokoladen-Eis! Mit extra vielen Schoko-Stücken!“. Und auch wenn du eine Suchmaschine nutzt, werden bei dir vielleicht andere Ergebnisse angezeigt, als bei deinem Freund.

Du merkst: Jeder von euch würde nur noch das sehen, was er besonders mag – und nichts anderes mehr. Du würdest dann in einer Filterblase leben, in der du nur noch bestimmte Dinge mitbekommst.

Das kann natürlich praktisch sein. Schließlich musst du nicht mehr so viel überlegen, welche neue Eissorte dir schmecken könnte. Und vielleicht wird das Himbeer-Eis ja deine neue Lieblings-Sorte!

Andererseits wird aber auch deine Meinung beeinflusst, ohne dass du es gleich bemerkst. Vielleicht vertraust du ja darauf, dass du im Internet gute Informationen finden kannst – aber stattdessen werden dir nur Werbung und angepasste Webseiten gezeigt. Besonders problematisch ist das, wenn es um wichtige Themen, zu denen es sehr verschiedene Meinungen gibt.

Problem 2 – Überwachung

Mit Big Data wird es auch immer leichter, einzelne Menschen oder Gruppen zu überwachen. Fast jede Handlung wird heute schließlich von zahlreichen Sensoren, Geräten und Datensammlern erfasst.

Manche Leute sagen dazu: „Das macht doch nichts! Ich habe doch nichts zu verbergen“. Aber mal ehrlich: Würdest du einem fremden Menschen auf der Straße deinen Tagesablauf beschreiben? Zeigst du deine privaten Nachrichten all deinen Freunden und Bekannten? Lässt du deine Zimmertür und Vorhänge immer offen?

Manchmal ist es schön, ein bisschen Privatsphäre zu haben. Privatsphäre bedeutet, dass du entscheiden kannst, was du mit andern teilen willst – und was du lieber für dich behältst.

Wenn durch Big-Data-Technologien aber immer mehr Daten gesammelt werden, geht auch immer mehr von deiner Privatsphäre verloren. Wenn du beispielsweise deinen Aufenthaltsort geheim halten willst, reicht es nicht unbedingt aus, die Standort-Funktion deines Smartphones zu deaktivieren. Manche Apps erfassen im Hintergrund weiterhin alle WLAN-Netze in der Nähe und können dadurch deinen Standort ermitteln. Und wenn eine Person in deiner Umgebung ein Foto macht, könnte eine Software darauf dein Gesicht erkennen und dich dann mit den GPS-Daten des Bildes verknüpfen.

Mit Big-Data-Technologien kann also ein großer Teil deines Lebens durchleuchtet werden – ob du willst oder nicht. Wenn du dich aber durch diese ständige Überwachung beobachtet fühlst und (vielleicht unbewusst) dein Verhalten änderst, wird dadurch auch deine Freiheit eingeschränkt.

Problem 3 – Offene Fragen

Eines der größten Probleme mit „Big Data“ ist auch, dass das Thema so neu ist und sich sehr schnell verändert. Die zugrundeliegenden Technologien werden ständig weiterentwickelt und eröffnen immer neue Möglichkeiten. Deswegen tauchen auch immer wieder neue Fragen auf, die teilweise schwierig zu beantworten sind – zum Beispiel:

  • Wem gehören unsere Daten? Wer darf darüber bestimmen?

  • Welche Ziele verfolgen die Unternehmen, Wissenschaftler und Behörden, die mit Big Data arbeiten? Wer verdient Geld mit Big Data?

  • Können wir Big-Data-Technologien vertrauen?

  • Welche Daten müssen wir schützen? Und wie geht das?

  • Welche Gesetze braucht es im Umgang mit Big Data?

All diese Fragen müssen wir gemeinsam in unserer Gesellschaft klären. Deshalb ist es aber auch wichtig, dass wir alle uns ein bisschen mit Big Data auskennen. Wir hoffen, dass dieser Kurs dir dabei geholfen hat, das Thema besser zu verstehen!

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