Plastik - Von Herstellung bis Entsorgung ein Problem für Mensch und Natur

Plastik ist längst zu einem der größten Umweltprobleme unserer Zeit geworden. Doch was genau macht den achtlosen Konsum von Plastik für Mensch und Natur so gefährlich?

Abb. 1: Vogel neben Plastikmüll

Die Herstellung - Rohstoffverbrauch und Emissionen

Kunststoffe werden entweder aus Erdöl oder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.

Immerhin 88 % des jährlich geförderten Erdöls gehen in die Plastikproduktion. Erdöl ist ein endlicher Rohstoff - irgendwann wird es aufgebraucht sein.

Auch die erneuerbaren Rohstoffe werden kritisiert - denn werden Mais, Kartoffeln oder Milch für die Kunststoffherstellung verwendet, können sie nicht mehr als Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Außerdem verbraucht der Anbau Platz, Energie, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel, die der Umwelt schaden können.

Für die Herstellung von Plastik benötigt man ziemlich viel Wasser - für ein Kilo des Kunststoffes Polyethylen (HDPE) sind es 1010 Liter. Die Plastikproduktion verbraucht zudem relativ viel Energie. In ein Kilo Polyethylen (HDPE) fließen 8181 Megajoule.

Bei der Energiegewinnung fallen Emissionen an. Auch durch Transporte und später die Entsorgung von Plastik gelangen klimaschädliche Stoffe wie Kohlenstoffdioxid, Methan oder Stickoxide in die Atmosphäre. Pro Kilo Polyethylen entstehen somit zwischen 2,52{,}5 und 5,55{,}5 kg CO2CO_2-Äquivalente.

Die Auswirkung auf Mensch und Natur

Problematisch wird der Plastikmüll vor allem dann, wenn er irgendwo landet, wo er nicht hingehört. In Deutschland gibt es nur noch selten “wilde Müllkippen” - jedenfalls viel weniger als früher, trotzdem gelangt auch bei uns noch Plastik in die Umwelt.

Abb. 2: Wilde Müllkippe

Was dann in der Umwelt mit dem Platik geschieht, wird gerade erst erforscht. Daher gibt es insbesondere zu den gesundheitlichen Auswirkungen noch keine eindeutigen Ergebnisse. Wissenschaftler*innen raten aber aufgrund des aktuellen Forschungsstandes dazu, Plastik zu vermeiden.

Gesundheit

Viele reine Plastiksorten sind chemisch erstmal gar nicht so gefährlich. Das Problem entsteht erst mit den Zusatzstoffen, z.B. Weichmacher oder Flammschutzmittel, die gesundheitsschädlich sind. Manche Inhaltsstoffe können z.B. in den Hormonhaushalt von Menschen eingreifen. Weichmacher können sich zum Beispiel im Wasserkreislauf lösen oder auf in Plastik verpackte Lebensmittel übergehen. Auch durch Hautkontakt könnten sie in den Körper gelangen. Für Kinderspielzeug sind Weichmacher deshalb verboten.

Ozeane & Meerestiere

Große Plastikteile gefährden vor allem das Leben im Ozean. Tiere können sich darin verfangen oder sich daran verletzen. Kleinere Teile werden verschluckt, insbesondere von Fischen, Meeresvögeln oder Walen. Da das Plastik nicht verdaut wird, bleibt es im Magen, ohne jedoch Nährstoffe zu bieten - viele Tiere verhungern daran. Schon 663663 Arten sind von den negativen Auswirkungen des Plastikmülls in Gewässern betroffen.

Abb. 3: An Plastikmüll verhungerter Seevogel

Des Weiteren kann Nanoplastik (mikroskopisch kleiner Abrieb von Plastik) in die Zellen von Tieren eindringen und dort Entzündungen hervorrufen. Zudem sammeln sich giftige Stoffe (DDT, PAKs) aus der Umwelt an den Oberflächen der fein zerriebenen Mikroplastik-Teilchen. Wenn Meerestiere diese Plastikteile verschlucken, können sich die Stoffe im Verdauungsprozess der Tiere wieder lösen und im Gewebe einlagern. So gelangt das Plastik samt Schadstoffen in die Nahrungskette - und schließlich auch auf unseren Teller.

Vermüllung der Landschaft

Durch vermüllte Strände und Landschaften geht Naturschönheit verloren. In Tourismusregionen müssen Strände aufwändig gereinigt werden, damit die Besucher nicht ausbleiben.

Abb. 4: Müll am Strand

Die Entsorgung - Umwelt-& Gesundheitsbelastung

Glücklicherweise kann in Deutschland schon relativ viel Plastik recycelt werden. So wird ein Teil der Rohstoffe und auch der Herstellungsenergie eingespart.

Allerdings kommen auch hier noch lange nicht alle Produkte in den Recycling-Kreislauf zurück. Europaweit werden nur 77 von 100100 Plastiktüten recyclet! Produkte wie Strohhalme, Plastikzahnbürsten oder kaputte Brotzeitdosen dürfen in vielen Gemeinden gar nicht in die Wertstofftonne, weil sie keinen “Grünen Punkt” tragen. Sie werden dann mit dem Restmüll verbrannt.

Bei der Verbrennung löst sich der größte Teil des Plastiks in das Treibhausgas CO2CO_2 auf. Aber es entstehen auch andere, teils gesundheitsgefährdernde Gase, die aufwändig herausgefiltert werden müssen. Inzwischen gibt es dafür ind Deutschland strenge Regeln und Auflagen. Somit sind die Reste, die in die Luft gelangen, relativ gering. In vielen anderen Teilen der Welt wird der Plastikmüll allerdings einfach so im Hinterhof verbrannt - ganz ohne Filterung.

Abb. 5: Hausmüll wird verbrannt

In der Schlacke, die aus der Verbrennung entstanden ist, bleiben außerdem geringe Mengen giftiger Stoffe (Formaldehyd, Alkalein, Benzol) zurück. Sie werden in Deponien abgelagert. Damit keine dieser Giftstoffe in Boden, Wasser und Luft gelangen, muss die Deponie aufwändig gewartet werden. Auch das ist leider nicht überall auf der Welt der Fall.

Das Einweg-Dilemma

Weltweit entstanden 20172017 rund 348348 Millionen Tonnen Kunststoff. Von diesem günstigen und vielseitigen Werkstoff wird etwa die Hälfte zu Gegenständen verarbeitet, die nur einmal verwendet werden, wie z.B. Tüten, Strohhalme oder Einwegflaschen. Im Verhältnis zu all der Energie, der Arbeit und der Rohstoffe, die für die Herstellung aufgewendet werden, ist der Nutzen oft nur von sehr kurzer Dauer.

  • Kunststoff-Produkte wie Brotzeitdosen, Jalousien oder Möbel sind hingegen nicht wirklich kritisch. Diese Dinge werden lange genutzt, der Kohlenstoff aus dem Erdöl bleibt gespeichert und gelangt nicht als CO2CO_2 in die Atmosphäre. Manchmal bietet Plastik sogar einen Umweltvorteil gegenüber anderen Stoffen, z.B. im Mehrwegsystem: Weil PET-Flaschen leichter sind als Glasflaschen, benötigt man weniger Energie für den Transport.

  • Das Missverhältnis zwischen Kosten und Nutzen entsteht vor allem bei Einweg-Produkten und Verpackungen. Manches davon ist tatsächlich unverzichtbar, wie beispielsweise sterile Einweg-Spritzen im medizinischen Bereich. Dennoch ließe sich ein großer Teil des Konsums von Einwegkunststoffen leicht ersetzen - hier schlummert noch immenses Entwicklungspotenzial für mehr Umweltschutz.

Abb. 6: Ende eines Luftballons auf einer Almweide

Quellen:


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